Wer in den Hafen der Stadt Wyk auf Föhr einläuft, sieht sofort die drei blau-roten Brücken, über die Autos und Passagiere vom Schiff aufs Land gelangen. "Willkommen auf Föhr" ist da zu lesen; aber die Brücken, die Zugang zur Insel gewähren sollen, sind zum zentralen Teil eines Konflikts geworden. Willkommen auf Föhr? Es scheint nicht für jeden zu gelten.

Die Brücken gehören einer Firma, genau wie alle Fähren, die zwischen den nordfriesischen Inseln Föhr und Amrum und dem Festland pendeln: der Wyker Dampfschiffs-Reederei, kurz W.D.R.; sie fährt seit 1889 weitgehend allein durchs Wattenmeer. Aber nun fordert ein Hamburger Unternehmen das Monopol heraus – es will ebenfalls Touristen und Insulaner transportieren. Der Kampf sorgt für Aufruhr auf der Insel mit den Brücken, und wer nachvollziehen will, weshalb, muss wissen, wer an den Fähren mitverdient.

Bislang war das Geschäft der W.D.R. so planbar wie das Auf- und Ablaufen des Wassers im Wattenmeer. Rund 1,8 Millionen Passagiere sind im Jahr zwischen Dagebüll, Föhr, Amrum und den Halligen zu transportieren. Die Anteilseigner der Reederei, rund 500 Privatpersonen, Unternehmen und Investoren, bekommen jährlich eine Dividende ausgeschüttet. 2012 waren es rund 1,2 Millionen Euro. Auch die Stadt Wyk verdient mit, ihr gehört rund ein Drittel der Firma. Man hat sich eingerichtet.

Becker Marine Systems hat die Reederei Watten Fährlinien gegründet, um das Fährmonopol zu knacken – mit zwei Umweltschiffen; die sollen mit verflüssigtem Erdgas fahren statt mit Diesel oder Schweröl. Im Vergleich zu den derzeit eingesetzten Fähren würde sich der Ausstoß an CO₂ halbieren, sagt Becker-Geschäftsführer Henning Kuhlmann. Schwefeloxide und Rußpartikel würden nicht mehr in die Luft geblasen, der Stickoxidausstoß würde um 90 Prozent vermindert. Ein gewichtiges Argument, mitten im Wattenmeer, wo 10.000 Arten zu finden sind: von einzelligen Organismen bis zu Kegelrobben und Schweinswalen. Das Gebiet ist Weltnaturerbe und hochsensibel.

Ein weiterer Vorteil des verflüssigten Erdgases ist der Preis: Das Gas ist günstiger als Diesel und Schweröl. "Diesen Preisvorteil wollen wir an die Kunden weitergeben", sagt Kuhlmann.

Die Aussicht auf eine umweltfreundliche Technik und günstigere Preise ließ die Insulaner aufhorchen. Als die Hamburger ihre Pläne in Wyk vorstellten, kamen so viele Insulaner und Touristen, dass viele von ihnen vor der Tür warten mussten. Der angemietete Saal war zu klein. "Die Bevölkerung ist in großen Teilen für die neuen Fähren", sagt Annemarie Linneweber, Lokalpolitikerin und Vorsitzende des Hafenausschusses.

Doch obwohl die Pläne fertig in der Schublade liegen, Büros angemietet sind und die 30 Millionen Euro für den Bau der zwei Umweltschiffe bereitliegen, kommt das Vorhaben nicht in Gang. Watten Fährlinien liegt nach eigenen Angaben zwar die Erlaubnis vor, die Insel Amrum und den Festlandhafen Dagebüll anzulaufen. Nur nach Wyk kann das Hamburger Unternehmen nicht fahren – obwohl der Hafen dort der öffentlichen Hand und damit den Bürgern gehört, die an den neuen Fähren großes Interesse zeigen.

Wie kann das sein?

Anfang der 1980er Jahre verkaufte die Stadt einen kleinen Teil des Hafens an die Reederei, die ihr damals noch mehrheitlich gehörte. Die Reederei ist seitdem die Besitzerin der Schiffsbrücken. An den genauen Grund für den Verkauf mag sich heute auf Föhr niemand mehr erinnern. Aber eine Vermutung liegt nahe: Der Schachzug sollte wohl die Konkurrenz von der Strecke fernhalten, deren lukrativster Teil der Föhrer Hafen ist. Denn der Deal führte faktisch dazu, dass jeder, der mit einer Fähre den öffentlichen Hafen anlaufen will, die Erlaubnis der privaten W.D.R. benötigt. "Das ist sehr merkwürdig gelaufen, ganz klar", sagt Lokalpolitikerin Linneweber.