Es gibt Menschen, die nicht einmal mehr angstfrei ihren Zeh in den Berliner Schlachtensee tauchen können, seit sie Steven Spielbergs Film Der weiße Hai gesehen haben. Andere, und das ist ein Geständnis der Autorin, können nicht mehr durch einen dunklen Wald gehen, ohne in Panik an die Hexe von Blair zu denken. 1999 drehten die Filmhochschüler Eduardo Sánchez und Daniel Myrick den Horror-Film The Blair Witch Project über drei Studenten, die sich auf den Spuren einer kindermordenden Hexe im Wald verirren und nie wieder herausfinden. Genauer: Sie ließen den Film durch ihre drei Schauspieler drehen. Mit Kameras versehen, wurden die Darsteller acht Tage lang in die Wälder von Maryland geschickt und per Walkie-Talkie an den jeweils nächsten Drehohrt geleitet. Dort fanden sie Nahrung und eine Skizze der Handlung, die vor der Kamera zu improvisieren war. Die Gereiztheit der Darsteller angesichts der wie Marionettenmeister auftretenden Regisseure verband sich mit dem subtilen Horror des Drehbuchs: undefinierbare nächtliche Schreie, das Verschwinden eines der Studenten, Steinhaufen vor dem Zelt, ein Säckchen mit Zähnen und abgeschnittenen Fingern. Schließlich die mysteriöse Hütte im Wald – und das entsetzliche Ende, fortgeschrieben von der Fantasie des Zuschauers.

The Blair Witch Project kostete 60.000 Dollar und spielte weltweit 248 Millionen ein. Wie rechnet man das in Angst um? Die Angst lässt sich übrigens durch nochmaliges Sehen des Films nicht exorzieren. Und zwar ganz und gar nicht!

The Blair Wich Project von Eduardo Sánchez und Daniel Myrick
(Studiocanal)