Noch von der Trage aus – auf dem verheerendsten Weg das Spielfeld zu verlassen – klatschte Neven Subotić den fassungslosen BVB-Fans zu, so als brauchten sie und nicht er eine Aufmunterung nach dem offensichtlichen Unglück. "Keine Sorge, ich komme stärker zurück", ließ er seine Anhänger direkt nach der Bestätigung seines Kreuzbandrisses über Facebook wissen.

Tags zuvor kommentierte Bastian Schweinsteiger die neuerliche Operation seines Sorgensprunggelenks weniger kämpferisch. Er hoffe, nach der OP wieder schmerzfrei spielen zu können, so lautet sein zurückhaltender, erfahrungsbelasteter Ausblick. Die Ermutigungen übernahmen in diesem Fall seine Trainer. Rasch bestätigte Joachim Löw seinem Führungsspieler den festen Platz im WM-Kader, und auch Pep Guardiola verkündete mit ungelenkem Pathos: "Wir warten auf ihn, er war der beste Spieler der vergangenen Saison."

Eine interessante Erklärung, die Bedeutung eines Spielers für die Zukunft nicht in der Gegenwart, sondern in der Vergangenheit zu verorten.

Bastian Schweinsteiger hat in den vergangenen Jahren, in denen sich seine Verletzungsbiografie ebenso verlässlich füllte wie der Trophäenschrank, nicht nur den Gegner und die rivalisierenden Mannschaftskameraden, sondern vor allem auch den eigenen Körper bekämpft. Im Bewusstsein der Schwachstelle codiert der Kopf ausweichende Bewegungsabläufe, die zu weiteren Verletzungen und Kaschierungen im Spielverhalten führen. Die Beschäftigung mit dem eigenen Körper verhindert die Konzentration auf die Perfektionierung des Spiels. Durch das enorme physische Niveau, das den Fußball dieser Zeit prägt, verkürzt sich die Haltbarkeit fragiler Körper.

Neven Subotić ist jung und verletzungsunerfahren genug, die Pause tatsächlich als Kraftquelle zu sehen. Es spricht vieles dafür, dass er seinen Platz danach wieder einnehmen wird. Verteidiger sind nicht so sehr vom Verpassen kurzfristiger Entwicklungen bedroht wie Kreativspieler.

Es ist deshalb nicht nur die Einsamkeit der monatelangen Rehabilitation, die Distanz zu emotionalen, teambildenden Ereignissen, die den Mannschaftssportler an seine Grenzen bringt, sondern auch die Angst vor dem Fortschritt in der Abwesenheit. Das Fallen des eigenen Kurses. So wird die physische Wiederherstellung zu einer psychologischen Aufgabe. Für den Spieler und auch für den Verein. Dessen Pflicht es zugleich ist, die Leistung des Ersatzmannes zu optimieren.

Dortmund erwägt, schon bald einen neuen Verteidiger einzukaufen.