Dass die Deutschen "Fußball" spielen, Franck Ribéry dazu aber "Fußball " sagt, belegt gleich zwei Dinge. Erstens: Der französische Akzent verleiht dem Deutschen eine Eleganz, die es in seiner Reinform kaum besitzt. Und zweitens: Ribéry ist anders.

Unter den außergewöhnlichen Spielern, die die Bundesliga bevölkern, Aubameyang, Alaba, Reus, Robben, ragt der kleine Ribéry heraus. Dafür zollen ihm die Deutschen Respekt. Es erklärt aber nicht, warum sie ihn so mögen. Warum ist Ribéry nicht nur der beste Spieler der Bundesliga, sondern auch einer der beliebtesten?

Dafür gibt es mehrere Gründe, sportliche und andere. Zu den sportlichen zählt, dass die Deutschen den Spielertypen Ribéry schon immer besonders ins Herz geschlossen haben. Thomas Häßler, Pierre Littbarski, Mehmet Scholl: Zu einer Zeit, als Deutschland noch die Nation humorloser Vorstopper war, verkörperten die drei etwas Undeutsches – den schönen Fußball, technisch versiert, gewitzt, fantasievoll, unberechenbar. Sie standen für die Sehnsucht, Erfolge nicht nur mit typisch deutscher Effizienz, sondern mit Leichtigkeit erreichen zu können, auf französische Art halt.

Heute sind selbst deutsche Verteidiger so leichtfüßig wie französische Stürmer. Trotzdem sehen sie im Duell mit Ribéry so aus wie früher. Ribéry sagt nach jedem Spiel, wie wohl er sich in Deutschland fühle, wie sehr er die Fans liebe. Ein leichtfüßiger Franzose, der die Deutschen liebt – so einen lieben die Deutschen eisern zurück.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Dass Ribéry bei seinen Landsleuten längst nicht so angesehen ist wie zwischen München und Hamburg, stört diese Liebe nicht. Er ist zum Islam konvertiert? Manuel Neuer ist auch von Schalke 04 zu Bayern München konvertiert. Er hat seinen 26. Geburtstag mit einer Prostituierten gefeiert? Macht doch jeder Franzose, wie wir seit Houellebecq wissen. Die Prostituierte war minderjährig? Jeder kann sich mal verrechnen. Dass er der Rädelsführer beim Aufstand gegen den Nationalcoach während der WM 2010 war? Ein anständiger Franzose muss rebellieren, wenn ihm ein Trainer mit deutscher Disziplin kommt. Kurzum: Wir Deutschen lieben Ribéry, weil er all die schönen Franzosen-Klischees, die wir gerade über Bord werfen wollten, bestätigt. Bestimmt liebt er auch Froschschenkel. Aber der wichtigste Grund unserer Zuneigung ist, was Ribéry über die Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien sagt: "Deutschland ist Favorit."