Neonicotinoide sind Insektenkiller. Bauern nutzen sie, um Schädlinge von ihren Feldern fernzuhalten. Nützliche Insekten sterben jedoch ebenfalls an den Nervengiften – zum Beispiel Honigbienen. Daher hat die EU-Kommission beschlossen, von Dezember an die Anwendung dreier solcher Stoffe stark einzuschränken. Zunächst für die Dauer von zwei Jahren. In dieser Zeit sollen die Auswirkungen der Insektengifte weiter erforscht werden.

Die Absicht ist gut. Trotzdem ist der Sinn des Moratoriums zweifelhaft. So ist strittig, ob Neonicotinoide bei korrekter Anwendung tatsächlich gefährlicher sind als andere Insektizide. Und wenn doch, warum werden just drei dieser Wirkstoffe verbannt, andere Neonicotinoide dagegen nicht? Schließlich: Auf welche Insektengifte werden Landwirte ausweichen, und welche Folgen drohen dadurch? Zwei Jahre sind knapp bemessen, um das zu untersuchen. Es bleibt der Nachgeschmack einer willkürlichen Entscheidung.

Das Verbot von Neonicotinoiden lenkt von wichtigeren Problemen der Agrarindustrie ab: Mais etwa, oft für Biogas genutzt, bietet Bienen keine Nahrung; die Zulassungsregeln für Spritzmittel sind zu lax. Echtes Umdenken erfordert mehr als den publikumswirksamen Bann dreier Übeltäter. Den Bienen aber ist die erholsame Pestizidpause zu gönnen.