Ein rechtsextremer Leserbriefschreiber will die Stadt von "unzivilisierten" Menschen säubern und wird am Ende selbst verfolgt. Ein Jugendlicher flieht mit seinen Geschwistern vor der Prostitution, bringt sie dadurch aber genau in die befürchtete Situation. Die neun Kurzgeschichten, die dieser Band versammelt, handeln von ganz unterschiedlicher sozialer Brutalität. Stets gibt es jedoch den Moment, in dem die Handelnden auf die andere Seite wechseln: Aus Opfern werden Täter – und umgekehrt. Janne Teller erzählt spannend, manchmal kryptisch, aber sprachlich anspruchsvoll. Und wie schon in ihrem Roman Nichts, der erst verboten und dann international ausgezeichnet wurde, lässt sie ihre Figuren auch diesmal bis zum Äußersten gehen – was sie dem Leser gleichermaßen abverlangt.