Ein neuer Haarschnitt muss her, aber schnell! Marko will anders aussehen, damit ihn auf der Straße nicht jeder gleich erkennt. Wie gut, dass seine Mutter Friseurmeisterin ist. Sie färbt alles "rabenschwarz", schmiert "haufenweise Gel rein" und kämmt dann die Haare so zurück, dass Marko aussieht "wie der Typ in Matrix". – "Cool!", sagt der Junge, und weil alles so lustig ist, feiern Mutter und Sohn danach hüpfend auf dem Sofa und singen lautstark in Föhn und Bürste. Markos Mutter ist so quirlig, dass sich der Zwölfjährige manchmal eher wie der ältere Bruder fühlt. Meistens ist die Mama ganz okay. Dass sie ihn "Dicki" nennt, mag Marko allerdings gar nicht. Ebenso wenig wie Mamas beste Freundin, die Lokaljournalistin Toxy. Der fällt zu Mamas 30. Geburtstag nichts Drögeres ein, als Mutter und Sohn zu einem Ausflug auf die Pferderennbahn zu überreden. Spannend wird es dann doch, als Marko, versteckt auf dem Klo, einen heißen Tipp bekommt, sein Taschengeld verwettet und 6.000 Euro gewinnt. Das Geld ist schnell futsch, konfisziert von Mama, um die Haushaltskasse aufzufüllen. Noch schlimmer als die Enttäuschung ist Toxys Zeitungsartikel: Sie erklärt Marko zum Hellseher, zum Wunderkind. Und schon katapultiert es ihn in einen medialen Strudel hinein. Anfangs wehrt der junge "Star" sich gegen die albernen Shows, in denen er live Dinge vorhersagen soll. In den Augen seiner Mutter aber winkt endlich ein Geldsegen. Und auch Markos bester Freund Greg findet den Hype um den Freund prima und erweist sich als geschäftstüchtiger Manager. Marko selbst hat nur eine große Hoffnung: doch noch eines Tages seinen Vater zu finden, zu dem Mama sich kategorisch ausschweigt.

Dass sein Gewinn beim Pferderennen nichts mit Hellseherei zu tun hat, bleibt lange Markos Geheimnis. Die mediale Inszenierungsmaschinerie läuft derweil heiß, und in Markos Leben geht es plötzlich um Fanartikel, Filmrechte und falsche Väter. Der Junge pariert zunächst gewitzt alle öffentlichen Erwartungen. Doch nach und nach wächst ihm alles über den Kopf: Er fliegt fast von der Schule, verliert die zarte Freundschaft zu Elena und schließlich beinahe auch die zu Greg.

Der deutschsyrische Autor Salah Naoura – unter anderem Träger des Peter-Härtling-Preises und des Jahres-LUCHS von ZEIT und Radio Bremen – erzählt in prägnanten Bildern, atmosphärisch dicht und dramaturgisch spannend. Es ist Naouras besondere Kunst, uns über seinen Witz lachen zu lassen und gleichzeitig eine Botschaft zu transportieren: Show ist ein hartes Geschäft, das seinen Preis fordert. Dies lernt zuerst Marko, danach seine Mama. Und so erfüllt sie ihm schließlich seinen innigsten Herzenswunsch – auch wenn es sie alle Überwindung kostet.