Ein Jungsozialist gegen das Großkapital, gegen alle bürgerlichen Parteien? Mit einer revolutionären Idee und der Möglichkeit, diese auch durchzusetzen? In der Schweiz – ausgerechnet in der Schweiz! – könnte in einigen Tagen genau das passieren: Am 24. November stimmen die Eidgenossen über eine Initiative ab, die Schweizer Firmen vorschreiben soll, dass künftig der Chef nur noch maximal zwölfmal so viel verdienen darf wie sein kleinster Angestellter. 1 : 12 heißt die griffige Formel, und sie hat Chancen.

Initiator der von allen Schweizer Unternehmens- und Gewerbeverbänden selbstredend abgelehnten Initiative ist der 29-jährige Sozi Marco Kistler. Der junge Mann hat in seinem Heimatkanton Glarus schon ein Wahlalter von 16 Jahren durchgesetzt – was nur beweist, dass es seine Gegner mit einem Profi zu tun haben. "Abzocker stoppen", heißt es jetzt auf den Plakaten, die er landauf, landab an die Straßen stellen lässt.

In der Schweiz leben 8,1 Millionen Menschen. Hätte Kistler Erfolg, müssten etwa 4400 von ihnen einen mitunter wohl nicht unerheblichen Lohnverzicht üben, also 0,0005432 Prozent der Bevölkerung. Auch die Zahl der möglicherweise betroffenen Unternehmen ist nicht eben groß, hat die ETH Zürich in einer Studie herausgefunden. Danach ist in 1.000 bis 1.300 Firmen der Lohnabstand größer als eins zu zwölf – das sind etwa 1,5 Prozent aller Unternehmen des Landes.

Riesengroß wäre freilich das Aufsehen auch außerhalb der Eidgenossenschaft, wenn eine Mehrheit der Schweizer an 1 : 12 Gefallen fände. Der Chef des Rohstoff-Riesen Glencore-Xstra beispielsweise hat den sofortigen Umzug des Konzerns ins Ausland angedroht; auch der deutsche Milliardär Klaus-Michael Kühne (Kühne+Nagel) will die Schweiz im Falle eines Falles verlassen. Übrigens: Nach Angaben der der Hans-Böckler-Stiftung verdienten die Vorstände der deutschen Dax-Konzerne 2011 im Durchschnitt 53-mal so viel wie ihre Beschäftigten.