Das Volk hat gesprochen: Keine Olympischen Winterspiele 2022 in München und Umgebung. Ist das nun das Ende des Geschäfts Olympia für jene Länder, in denen die Menschen mitreden können? Bedeutet es, dass sich derartige Megaveranstaltungen nur noch von autoritären Staaten stemmen lassen, in Peking, Sotschi oder Katar? Hoffentlich nicht.

Zunächst einmal war die Münchner Ablehnung einfach nur vernünftig. Schon der erste, vergebliche Versuch der bayerischen Hauptstadt, die Spiele für 2018 zu ergattern, kostete 30 Millionen Euro und endete mit einer demütigenden Niederlage gegen ein südkoreanisches Retortenskigebiet. Auch beim zweiten Anlauf hätte es keine Garantie gegeben, dass eine neuerliche teure Bewerbung irgendetwas bringt außer langen Gesichtern.

Und selbst wenn es geklappt hätte: Neun Jahre Vorbereitung und gut drei Milliarden Euro für zwei Wochen Spitzensport und zünftiges Après-Ski, während einige Hundert Kilometer weiter südlich Flüchtlingsboote und ganze Länder absaufen – was soll daran bitte sinnvoll sein? Nicht zuletzt deshalb verkaufen andere Kandidatenstädte ihren Bürgern Olympia längst nicht mehr als Sportereignis, sondern als Infrastrukturprogramm: Zu all den Medaillen gibt es eine neue U-Bahn und ein renoviertes Problemviertel obendrauf!

München freilich hat all das schon, und auch den anderen beteiligten Gemeinden mangelt es an nichts. So blieb den Befürwortern statt vernünftiger Argumente nur der Appell ans Gefühl. Wer aber will sich begeistern für ein Ereignis, das ein internationaler Mauschelverein mit Sitz in der Schweiz in eine gigantische Gelddruckmaschine verwandelt hat? Sind die Spiele einmal vergeben, ergreift das Internationale Olympische Komitee (IOC) von der Gastgeberstadt Besitz und diktiert die Bedingungen, fordert von den Ausrichtern volle Absicherung aller Risiken und für sich selbst Steuerfreiheit. Ansonsten sind die Olympier bei der Wahl ihrer Geschäftspartner nicht zimperlich; wer immer die Auflagen erfüllt, darf sich im Glanz der Spiele sonnen. Kein Wunder, dass autoritäre Staaten wie China und Russland begierig zugegriffen haben; andere dieser Art werden folgen.

Den Ausverkäufern des Olympismus, der nach den Worten seiner Charta doch "eine friedliche Gesellschaft" fördern soll und "der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist", haben die Münchner Nolympians einen berechtigten Denkzettel verpasst.

Und doch bleibt nach der bayerischen Vernunftentscheidung ein Unbehagen. Zum einen ist es mit der Ratio nicht weit her, wenn nur die Sportart gewechselt wird. Gegen eine Fußballweltmeisterschaft hätte Volkes Wille bestimmt nichts einzuwenden. Dabei sind die internationalen Herren dieses Spiels und ihre Geschäfte um keinen Deut ehrenwerter.

Zum anderen steckt in dem Nein eine gehörige Portion Kleinkrämerei und Egoismus: Weltspitze wär man ja gern, im Sport und anderswo. Aber die dafür notwendigen Voraussetzungen sollen doch bitte nicht in meinem Vorgarten geschaffen werden.