Da entsteht etwas. Da tun sich Chancen auf. Da kann man Geld verdienen – oder sparen. Da hat etwas Erfolg. Riesigen Erfolg. Doch bald werden Stimmen laut, die sagen: Da muss man aufpassen. Da muss man eingreifen.

Das Phänomen heißt Zimmerteilet – oder Airbnb: dem größten Anbieter in diesem neuen Geschäft. Und wieder einmal zeigt sich, wie die anarchische Kraft, die jeder wirtschaftlichen Entwicklung innewohnt, gebändigt wird, wenn sie sich zu kraftvoll entfaltet.

Wer heute durch die Welt reist, ist dank Airbnb nicht mehr auf die professionelle Beherbergungswirtschaft angewiesen, sondern kann bei x-beliebigen Leuten übernachten, die ein Zimmer oder vorübergehend ihre Wohnung vermieten. Ein Appartement im XVI. Arrondissement in Paris? Ein Dach überm Kopf mitten in Berlin-Mitte? Das ist dank dieser Marktnische, die auf dem besten Weg ist, ein großer Markt zu werden, für jedermann möglich – und erschwinglich. Dank der technischen Möglichkeiten des Internets ist die Auswahl groß und kurzfristig buchbar. So finden sich fürs nächste Wochenende in Basel rund 240 solcher Privatunterkünfte, in Luzern sind es 200, in Bern etwa 130, in Zürich über 300 und in Genf etwa 450.

Da muss man doch eingreifen. Da stellen sich doch Fragen. Die drängendsten werden vom Hotelgewerbe aufgeworfen, das eine gefährliche Konkurrenz wittert, vor allem für die günstigeren Gaststätten. Also für Häuser, die ohnehin schon Schwierigkeiten haben. Doch auch die Verbände der Hauseigentümer und Mieter brüten über dem neuen digitalen Beherbergungswesen. Und so wird die Liste der Probleme, die hinter der banalen Zimmerteilet entdeckt werden, lang und länger: Es gibt keine Meldescheine! Da werden Wohnungen ohne Einwilligung des Besitzers weitervermietet! Da werden Kurtaxen unterschlagen! Und überhaupt: Wird der Zustupf, den fremde Gäste bringen, denn versteuert?

Der Verband Hotelleriesuisse macht mit einem Argumentarium auf die Unzulänglichkeiten von privaten Unterkünften aufmerksam. Da steht dann beispielsweise, dass für die normale Wohnung – im Gegensatz zum Gastgewerbe-Betrieb – "keine Ausschilderung von Fluchtwegen bzw. Hinweise auf Verhalten im Brandfall" vorgeschrieben sei.

Zimmerteilet birgt ein Gefahrenpotenzial! Und so muss sie zur Staatsaufgabe erklärt werden. Das Bundesamt für Wohnungswesen prüft nun die Lage. Cipriano Alvarez, der Chefjurist des Amtes, sichtet "ein neues Phänomen im Zwischenbereich zwischen Mietrecht und Beherbergungsrecht": Wenn die Tendenz anhalte und das Online-Übernachtungsangebot so kräftig weiterwachse, "werden wir kaum um gesetzliche Regelungen herumkommen". Um den Wildwuchs zu bändigen, will die Hotellerie einen runden Tisch organisieren; wie die NZZ am Sonntag und Schweiz am Sonntag erfuhren, kontaktierte der Hotelverband in den letzten Tagen acht Institutionen. Darunter die Polizeidirektorenkonferenz, die Steuerverwaltung, den Datenschutzbeauftragten, den Städteverband und den Verband der Immobilienwirtschaft. Es sind durchweg Einrichtungen, die kraft ihrer Aufgabe in Onlineportalen wie Airbnb eher ein Ordnungsproblem denn eine Geschäftsidee sichten dürften.

Eine andere Instanz fehlt indessen völlig: die Konsumenten. Die unorganisierten Privatpersonen, die aus der Wohnraumoptimierung via Sharing Economy einen Vorteil ziehen. "Entscheidend ist, dass wir gleich lange Spieße haben müssen", sagt Susanne Daxelhoffer von Hotelleriesuisse. "Aber wir wollen solche Onlineportale nicht wegdrängen. Auch sie sollen ihren Platz haben." Tatsächlich ist die Angelegenheit heikel. Die Hotellerie genießt bei der Mehrwertsteuer einen günstigen Sondersatz; dies dank einer 1996 eingeführten Ausnahmeregel, die das Parlament inzwischen fünfmal erneuert hat. Damals, bei der Einführung vor fast zwanzig Jahren, lautete ein wichtiges Argument der Gaststättenlobby, dass man eine "Leitbranche" sei. Will heißen: Geht es der Hotellerie schlecht, so vermissen auch andere Branchen deren Gäste. Etwa Bahnen, der Detailhandel oder Unterhaltungsbetriebe. Potenzielle Kunden könnten im Jahr 2013 allerdings auch Gäste sein, die dank amerikanischer Onlineportale in Schweizer Wohnungen übernachten. Denn die fühlen sich dort wohl. Diesen Herbst durchstöberten die Macher von Airbnb ihre Datenbanken und werteten die Bewertungen ihrer Nutzer aus. Heraus kam: Zürich wird als freundlichste Stadt in Europa beurteilt. Bei Befragungen von ausländischen Touristen, die in herkömmlichen Herbergen absteigen, landen Schweizer Reiseziele sonst am anderen Ende der Freundlichkeitsskala.

Es ist wie so oft: Das Internet ist des einen Sorge und des anderen Zukunft.

So ist einer der wichtigsten Anbieter im neuen Übernachtungssegment ein kaum bekanntes Unternehmen aus Lausanne: Housetrip. Das Fachmagazin Wired wählte es unter die "Hottest Start-ups" von Europa, bei der weltgrößten Reisemesse in London wurde es 2009 zum besten Reise-Start-up gekürt. Kapitalgeber aus England und Kalifornien haben sich mit 60 Millionen Dollar an der Firma beteiligt. Und Mitte September erhielt Housetrip auch eine Auszeichnung als Schweizer Neugründung des Jahres: Es könnte, wie ein Jurymitglied damals urteilte, eines der ersten helvetischen Milliarden-Start-ups werden.