DIE ZEIT: Herr Dorgerloh, seit Wochen schwelt der Streit um den Vertrag von Bauhaus-Direktor Philipp Oswalt. Warum haben Sie so lange geschwiegen?

Stephan Dorgerloh: Weil Personalfragen nicht in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollten. Das ist ein Thema für den Bauhaus-Stiftungsrat. Man läuft bei solchen öffentlichen Debatten immer Gefahr, dass Leute auch beschädigt werden. Das gilt es, zu verhindern. Auch deshalb wollte ich öffentlich nichts sagen.

ZEIT: Es gibt eine enorme Solidarisierungswelle mit Oswalt. Nicht nur Bürger in Dessau, auch Künstler und Kulturschaffende aus aller Welt sind über Ihre Entscheidung empört, das Feuilleton nennt Sie einen "Kulturgrobian". Sind Sie darüber erschrocken?

Dorgerloh: Manches trifft mich schon sehr, gerade weil es weder zutrifft noch gerechtfertigt ist. Aber ich bekomme sehr unterschiedliche Rückmeldungen. Manche Leute sind näher dran, andere schauen mehr aus der Ferne darauf. Vielfach fehlt auch die nötige Kenntnis. Aber woher sollen die Leute das auch wissen: Es gab im April eine reguläre Stiftungsratssitzung, in der wurde die Vertragsverlängerung von Herrn Oswalt diskutiert. Einige Mitglieder wollten nicht gleich abstimmen. Deshalb haben wir einen Umlaufbeschluss, also ein schriftliches Verfahren, vereinbart, dessen Optionen lauteten: Verlängerung oder Nichtverlängerung und Neuausschreibung der Stelle.

ZEIT: Am 8. Oktober fiel dann der Beschluss.

Dorgerloh: Ja, an diesem Tag lagen alle Rückmeldungen vor, und das Ergebnis war eindeutig: Alle Mitglieder des Stiftungsrates votieren für eine Neuausschreibung. Bei solchen Entscheidungen gibt es immer ein Für und Wider. Am Ende haben alle ihre Stimme abgegeben und genau überlegen können, wie sie sich entscheiden. Dass es Diskussionen geben würde, war absehbar.

ZEIT: Sie rechneten nicht mit großem Protest?

Dorgerloh: Es war klar, dass diese Entscheidung in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus ein Thema sein würde. Aber wir reden hier nicht über eine Kündigung, sondern von einer Neuausschreibung nach Ablauf der fünfjährigen Amtszeit ...

ZEIT: Eine Neuausschreibung, die einen Wunsch nach einem Wechsel impliziert ...

Dorgerloh: Das Votum besagt: Wir wollten keine automatische Verlängerung, sondern neu entscheiden. Auf einmal brennt das Feuilleton. Da wird aus vertraulichen Personalgesprächen berichtet, da wird das Verfahren verkürzt und falsch dargestellt. Hier haben viele eine Meinung, und die Schuldfrage scheint auch geklärt.

ZEIT: Haben Sie mit Philipp Oswalt gesprochen? Für ihn ist es ja ebenfalls keine leichte Situation.

Dorgerloh: Klar, ist das auch für ihn nicht einfach. Nachdem alle Voten vorlagen, hatte ich mit Philipp Oswalt ein Personalgespräch. Ich habe ihm den Beschluss erläutert, habe ihm auch Gründe genannt. Ich wollte, dass er sich darauf einstellt, dass wir die Sache in der Stiftungsratssitzung bereden, er dort auch nachfragen kann, bevor wir die Stelle neu ausschreiben. Wenn dann Aufrufe wie dieser offene Brief initiiert werden, ist das für die Institution wie für die Personen meistens wenig hilfreich.