Vergessen Sie alles, was Sie über BMWs wissen. Die geschwungene Form, die überdimensionierte Motorhaube, unter der sich vier, sechs oder noch mehr Zylinder verstecken, die enge Rückbank, der zweigeteilte abgerundete Kühlergrill, der feurig bebt wie die Nüstern eines Rennpferdes. Der i3 ist nicht einfach ein elektrisches Auto, auch wenn das bei einem deutschen Wagen erst einmal erstaunt. Er ist eine Art Anti-BMW. Er ist klein (mit 3,99 Metern sogar kürzer als ein Clio), leicht, mit einem großem Innenraum ausgestattet und als reines Stadtauto konzipiert. Mit seiner stämmigen Silhouette verzichtet das Modell auf den bei BMW quasi heiligen "Hofmeister-Knick" (den doppelt geknickten Abschluss der hinteren Seitenscheiben). Dafür aber ist es mit zueinander öffnenden Türen ausgestattet. Langer Rede kurzer Sinn: Es passt wirklich nicht in den Schönheitskanon der Münchner, ganz anders übrigens als Zoé, die kleine elektrische Französin, die sich ganz fabelhaft in das Sortiment von Renault einfügt.

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Und doch bedeutet der i3 keinen Bruch mit der großen BMW-Tradition. Bei der Probefahrt auf der Teststrecke des Hauses, im bayerischen Maisach, beweist dieser kräftige Städter, dass er mit Fahrvergnügen nicht geizen will (auch wenn das Gewicht der Batterien die Lenkbarkeit zum Teil wirklich einschränkt). Auf dem ehemaligen Flugfeld hört man überall rasant hochgefahrene Motoren heulen, unser Gefährt hingegen erlaubt eine schnelle, aber sehr leise Beschleunigung. Von 0 auf 100 km/h in 7,3 Sekunden – eine wahrlich sportliche Leistung! Dabei ist diese Errungenschaft weniger der Mechanik als der Bauart des Wagens zu verdanken; ein elektrischer Motor fährt per se sehr schnell hoch. Indem die Konstrukteure das Gewicht des i3 durch Nutzung von Plastik und Kohlefasern für die Karosserie und Aluminium für das Fahrgestell auf 1195 kg reduziert haben (davon 230 kg für die Batterie), haben sie eine Art Quadratur des Kreises erreicht. Dieser Leichtigkeit ist es zu verdanken, dass der i3 zugleich vier Personen transportieren, dabei aber auch noch zu Höchstleistungen auffahren kann und eine beachtliche Reichweite garantiert: 190 Kilometer oder das Doppelte, wenn man sich für einen kleinen zusätzlichen Verbrennungsmotor entscheidet.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 125 kW (170 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 7,2 s
Höchstgeschwindigkeit: 150 km/h
Durchschnittsverbrauch: 12,9 kWh/ 100 km
Basispreis: 34.950 Euro

Jean-Michel Normand ist stellvertretender Chefredakteur von "M", dem Magazin von "Le Monde"