Das Musical zum Roman? Bisher die unterste Schublade der Kulturverwurstung. Musketiere, Elende, Dracula und Frankenstein: alle Stofflieferanten der Trällerfassung, das Esperanto der globalen Unterhaltung.

Von Dezember an wird es American Psycho als Singspiel geben, das Londoner Almeida Theatre macht aus dem Buch von Bret Easton Ellis – nun, was eigentlich?

Der 1991 erschienene Text ist eine Farce über den Yuppie als kapitalistisches Monstrum. Er verschlingt Drogen, schneidet Frauen im Blutrausch wie Designerroben zu und ergeht sich in Exkursen zu Kosmetik, Mode und Popmusik.

Mit American Psycho wurde die Literatur zur Pop-Art; die Verhältnisse erschienen in derart greller Überzeichnung, dass man, bei ausreichend zynischem Bewusstsein, im Killer den Systemkritiker ausmachen konnte.

Ihn jetzt als Barden vorzuführen ist konsequent. Die realen Akteure des Finanzkapitalismus haben sich als Knallchargen der Gier erwiesen. Ihre Maßlosigkeit ist himmelschreiend, und mit entsprechender Orchestrierung wird aus solchen Schreien der Refrain eines schmissigen Bühnensongs.

Stilistisch mag der Text keine Erben gefunden haben, im epileptischen Augenzwinkern des Pulp Fiction-Humors, im schillernden Narzissmus des Gangsta Rap oder im chirurgischen Furor des neueren Horrorfilms (Zombies im Dauerrecycling einer kreativ abgestorbenen Kulturindustrie) lebt er jedoch fort.

Das American Psycho-Musical setzt den postmodernen Überdrehungen die Krone auf: der Roman als Libretto unserer taktlosen Welt.