Löcher sind bekanntlich Ansichtssache. Zuweilen ist ein und dasselbe Loch für den einen groß wie ein Höllenkrater, während es für andere kaum mit freiem Auge sichtbar ist. Vor allem kommt es aber darauf an, von wo aus das Loch betrachtet wird. Von der Innenseite aus besehen, kann ein Loch ins Freie durchaus positiv bewertet werden, erlaubt es doch dem Licht, in die Finsternis vorzudringen, und wird deshalb als Aufklärungsloch bezeichnet. In jedem Fall sind Löcher meist sensible Wesen und reagieren bereits auf kleinste Bemerkungen. Manchmal wachsen sie dann einfach über Nacht auf doppelte Größe an. In anderen, freilich viel selteneren Fällen zeigen sie Einsehen und schrumpfen wieder, wenn man ihnen gut zuredet. Wenn nun das Budget ein Loch aufweist, muss das nicht notwendigerweise von Übel sein. Durch diese Öffnung kann Geld austreten, das für vernünftige Investitionen verwendet wird. Manche Löcher seien aber gar keine, betonte der künftige Finanzminister. Es handle sich lediglich um Fehlbeträge, die noch gar nicht existierten. Künftige Budgetlecks sozusagen, die in bester Terminator-L ogik aus der Zukunft in die Gegenwart zurückgekehrt sind, um zu verhindern, dass sie dereinst wahr werden. Außerdem klinge Loch eindeutig zu hart. Eher gehe es darum, Lücken zu schließen. Eine Budgetlücke ist also kalkulatorisch besser als ein Loch. Denn Löcher können lediglich gestopft werden, wenn die Geldsäcke dieses Landes erleichtert werden, wie die roten Finanzexperten meinen. Lücken hingegen wirken niedlich wie die Milchzahnlücken der lieben Kleinen. Fehlbeträge sind also offensichtlich Summen, die sich in Lücken darstellen lassen. Wenn dann irgendwann einmal kein Betrag mehr fehlt, ist das Budget lückenlos – und eben nicht lochlos. Eine Lücke, die noch nicht ganz geschlossen ist, heißt Spalt. Vielleicht ist das die Lösung der aktuellen Koalitionskrise: ein Budget, das zwar noch nicht lückenlos, aber gespalten ist. So kommt zur Haarspalterei die Budgetspalterei hinzu. Regieren kann so einfach sein.