Neulich im ZDF: Markus Lanz moderiert Wetten dass..?, ein Wettkandidat führt gerade irgendwas mit Zahnpasta vor, als Lanz sagt: "Ein ganz billiger Versuch, unser Leipziger Publikum zu beeindrucken." Ein ganz billiger Versuch von Lanz, sich beim Leipziger Publikum anzubiedern. Aber, wichtigster Grundsatz beim Anbiedern: Wenn du es tust, dann sei dir sicher, dass du zumindest den Namen desjenigen kennst, bei dem du dich einschleimen willst. Lanz jedenfalls war dummerweise gar nicht in Leipzig, sondern in Halle. Autsch.

Für Lanz war es wohl einfach zu viel Halle: In einer Halle in Halle zu moderieren – dieses Matrjoschka-Puppen-Prinzip ist ja auch recht kompliziert. Zu seinem Glück saß diesmal wenigstens nicht auch noch Halle Berry auf dem Sofa.

Verwechsler und Versprecher sind immer schön. Mick Hucknall von Simply Red hat mal Köln mit "Hello, Hamburg!" begrüßt; bei Sky wurde vor Kurzem die Aufstellung von Real Madrid neben dem Wappen des FC Barcelona eingeblendet; Helene Fischer moderierte die Bambi-Verleihung mit "Dies war der Echo!" ab; und Edmund Stoiber bleibt sogar vor allem wegen seiner Versprecher in Erinnerung: Er nannte Sabine Christiansen "Frau Merkel", sagte statt US-Präsident Bush "US-Präsident Breschnew", und dass er seine Frau Karin "Muschi" nennt, ist ja wohl hoffentlich auch ein Versprecher.

Klicken Sie auf das Bild, um weitere Artikel der Serie "Gesellschaftskritik" zu lesen. © Frazer Harrison/Getty Images

Lanz war geknickt, das Publikum beleidigt – aber für alle anderen war es der lustigste Moment der Sendung. Denn so peinlich diese Verwechslungsmomente auch sind: Sie machen uns im ermüdenden Show-Fernseh-Politik-Einerlei wieder wach.

Wir fordern deshalb für Lanz eine Show, die die Verwechslung zum Prinzip erhebt: "Lanz nah dran"! Dort fragt er Justin Bieber, ob es wirklich nötig war, von Borussia Dortmund zu Bayern München zu wechseln, und Costa Cordalis, ob ihm das mit der gesunkenen Fähre nicht leidtut. Er bittet Marius Müller-Westernhagen, Bochum zu singen, und Ben Becker, von seinem Wimbledon-Sieg zu erzählen. Lanz könnte John Irving drohen: Er soll endlich aufhören, den Holocaust zu leugnen, sonst ruft Lanz David Chipperfield an, damit der ihn wegzaubert. Und das anschließende Interview mit Chipperfield würde beginnen mit: "Können Sie mal Ihr Hemd ausziehen wie auf der Bühne, damit wir Ihre Muskeln sehen können? Wieso sind Ihre Haare so kurz? Und wo bleiben eigentlich die anderen Jungs?"