In dieser eigenwilligen Zwischenzeit im Nirgendwo zwischen dem 100. Geburtstag von Albert Camus, dem 100. Geburtstag von Willy Brandt, dem 100. Länderspiel von Jogi Löw und dem 100. Verhandlungstag von Große Koalition stießen wir auf eine Überschrift, die uns stutzen ließ: Die Grünen in der Ferrari-Falle. Ein Ferrari und ein Porsche, so erfuhren wir im Text, stünden ständig vor der Grünen-Zentrale in Köln – auf Behindertenparkplätzen! Ja, ja, so sind sie halt, die Öko-Paxe unter ihrem neuen Hirten Anton Hofreiter: ÖPNV predigen und CO₂-Monster fahren. Und unter Inklusion haben wir uns auch immer etwas anderes vorgestellt als eine Protzkarre auf einem Rolli-Parkplatz.

Der Widerspruch zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ja so alt, wie Die Linke mittlerweile aussieht. Wohnte Oskar Lafontaine, der Verbal-Franziskus von der Saar, nicht in einem Prunkbau, genannt "Palast der sozialen Gerechtigkeit"? Isst Katrin Göring-Eckardt wirklich lieber einmal die Woche freiwillig Spinat mit Ei, als sich jahrelang von der NSA abhören zu lassen? Findet sich Angela Merkel, habituell eine Tante Trudi aus Templin, insgeheim nicht doch ganz großartig – und irre bedeutend? Na also.

Nun beteuern die Kölner Grünen, die Sportwagen gehörten nicht ihnen, sondern ihren Vermietern, und die Behindertenparkplätze seien ein Fake. Was wohl Frau Spinat mit Ei dazu sagt? Wahrscheinlich: Lieber einmal die Woche freiwillig Ferrari fahren als jahrelang Parkplätze fälschen.