Seit 2004 amtiert die aus Aachen stammende Isabel Pfeiffer-Poensgen als Generalsekretärin der Kulturstiftung der Länder, die für die deutschen Museen und Archive, aber auch auf dem Kunstmarkt eine enorm wichtige Rolle spielt. Denn erst durch Fördermittel der Kulturstiftung, die nun ihr 25-jähriges Bestehen feiert, wird es vielen Museen möglich, Werke für ihre Sammlungen anzukaufen.

DIE ZEIT: Welches waren die spektakulärsten Anschaffungen, die die Kulturstiftung förderte?

Isabel Pfeiffer-Poensgen: Wir konnten in 25 Jahren über tausend Ankäufe unterstützen, wobei die einzelnen Ankäufe oft aus ganzen Konvoluten bestanden. So konnte das Frankfurter Städel kürzlich die Sammlung des auf Fotografie spezialisierten Galeristen Rudolf Kicken erwerben. In den neunziger Jahren half die Stiftung, den Quedlinburger Domschatz aus den USA wieder an seinen Ursprungsort zu bringen, das war eine große Leistung. Und die Briefe von Franz Kafka an seine jüngste Schwester Ottla wurden kürzlich mit unserer Hilfe ins Literaturarchiv nach Marbach vermittelt.

ZEIT: Wie hoch ist Ihr Budget für solche Käufe?

Pfeiffer-Poensgen: Die Stiftung beteiligt sich bei Ankäufen mit maximal einem Drittel der Summe. So sind auch die jeweiligen Institutionen verpflichtet, sich zu engagieren, sie müssen zusätzlich Gelder bei öffentlichen Stellen, Unternehmen oder Privatpersonen einwerben. Wir haben jährlich 6,5 Millionen Euro zur Verfügung, um Erwerbungen zu fördern, wobei unsere Tätigkeit bei Ankäufen über die reine Finanzierung hinausgeht. Wir sind als sogenannte Einkaufsgemeinschaft der Länder gegründet worden, aber heute sind wir auch eine Beratungsstelle. Wir holen Gutachten zur Qualität der jeweiligen Objekte ein, wir untersuchen deren Provenienz, prüfen den Preis und vermitteln bei Konflikten.

ZEIT: Kommen die Museen jetzt mit immer längeren Wunschlisten zu Ihnen?

Pfeiffer-Poensgen: Selbstverständlich, aber wir schauen uns auch selbst die Auktionskataloge sehr genau an und gehen dann auf Museen zu, wenn wir etwas Wichtiges für sie entdecken. Die meisten Museen haben inzwischen keinen Ankaufsetat mehr, wir müssen manche von ihnen erst ermutigen, trotzdem Ankaufsinitiativen zu starten. Dabei geht es fast nie um Werke im Hunderte-Millionen-Bereich, sondern meist um weitaus günstigere Objekte, die für Sammlungen der deutschen Museen besonders wichtig sind. Wir sind nicht die Player auf dem globalen Markt, die mit chinesischen Sammlern um Gemälde von Francis Bacon konkurrieren.

ZEIT: Bei welchen Museen ist die Finanznot denn derzeit am schärfsten?

Pfeiffer-Poensgen: Die ist leider bei der Mehrheit der deutschen Museen sehr groß, in Zukunft muss sich an deren Finanzierung etwas ändern. Wenn Museen kein Geld für die Sammlungserweiterung haben, können sie bei Ankäufen auch schwer Sponsoren aktivieren. Man muss oft nur ein wenig Spielgeld investieren, um sehr viel Geld einzuwerben. Vergangenen Herbst hat etwa die Städtische Galerie Dresden mit 10.000 Euro selbst aufgetriebenem Kapital insgesamt fast das Achtzigfache dieser Summe für den Ankauf eines Otto-Dix-Gemäldes eingeworben.