Glückwunsch! Milkas Pralinés "Alles Gute" wurden vor Kurzem zur Mogelpackung des Monats gekürt. Damit erreicht die Schokolade einen Spitzenplatz in der Hitparade der Supermarkt-Gaunereien: Denn während sich an Preis und Packungsgröße nichts geändert hat, nahm der Inhalt von 125 auf 110 Gramm ab.

Auf den ersten Blick sind die Warenauslagen der Geschäfte prall gefüllt – mit Verpackungen zumindest. Darin findet sich allerdings oft jede Menge Luft, sodass im Innern bisweilen weitaus weniger Ware steckt, als die Verpackung vermuten lässt. Aufgeblasene Tüten, doppelte Böden, große Deckel, dicke Innenwände oder schlicht überdimensionierte Kartons: Um mehr Inhalt vorzugaukeln, beweisen die Hersteller unheimlich viel Kreativität. Wer nicht auf den Preis pro Kilo achtet, könnte sich leicht von dem verheißungsvollen Schein verführen lassen.

Dabei schreibt das Gesetz vor, dass Packungen so gestaltet und befüllt sein müssen, dass sie keinen größeren als den tatsächlichen Inhalt vortäuschen. Rechtlich geht man von einer Täuschung des Verbrauchers aus, wenn der Luftanteil im Innern mehr als 30 Prozent beträgt. Allerdings lässt das Gesetz auch Ausnahmen zu, etwa wenn die Füllhöhe technisch bedingt ist und sich ein größerer Luftanteil somit nicht vermeiden lässt. Das zu überprüfen ist freilich sehr aufwendig, und so berufen sich Hersteller oft und gern auf diese Ausnahmeregelung.

"Ein Kavaliersdelikt, das viel zu wenig kontrolliert wird"

Die Verbraucherzentralen kennen das. Bei ihnen beschweren sich zahlreiche Kunden, die sich getäuscht fühlen. Allein in Hamburg sind es 50 bis 100 Fälle pro Monat. "Nach dem Kauf einer Hautcreme der Firma Eucerin stellte ich fest, dass die Verpackung optisch einen wesentlich größeren Inhalt suggerierte", klagte vor Kurzem eine Konsumentin aus Hamburg. "Damit der Cremespender beim Schütteln der Packung nicht verdächtigt klappert, wurde sogar eine Papierkonstruktion entwickelt, die das verhindert."

Ob Kosmetika oder Lebensmittel – fast überall taucht die große Luftnummer auf. Manche rechnen den Herstellern sogar vor, wie viel Leerraum sie im Angebot haben. "Ich habe heute von der Firma Nestlé KitKat-Eis gekauft. Es handelt sich um eine Packung mit vier Eistüten je 100 ml. Der Inhalt beträgt also 400 ml", sagt einer, der außerdem das Volumen der äußeren Verpackung ermittelt hat. Sein erstaunliches Ergebnis: "In der Verpackung aus stabilem Karton sind neben dem Eis noch 1102 ml Luft."

Die Verpackungsverordnung schreibt vor, dass überflüssige Abfälle vermieden werden sollten, der Umwelt zuliebe. Auch Nestlé gibt sich gerne grün: "Nachhaltigkeit: Die Zukunft nicht für kurzfristige Gewinne riskieren", schreibt das Unternehmen auf seiner Website. Doch der Fall mit dem KitKat-Eis beweist, dass man trotzdem Packungen herstellt, in die dreimal mehr Inhalt passen könnte. So entsteht nicht nur überflüssiger Verpackungsmüll. Lastwagen, die solche Waren transportieren, fahren zugleich große Mengen Luft über die Autobahnen.

Längst machen sich die Verbraucherzentralen dafür stark, Umwelt und Verbraucher gleichermaßen zu schützen. Ein erster Schritt: mehr Transparenz. Vor zwei Jahren legte die Verbraucherzentrale in Hamburg etliche ungeöffnete Packungen unter ein Röntgengerät, um die Hohlräume sichtbar zu machen. Die Ergebnisse waren verblüffend. Von 30 untersuchten Proben enthielten damals 23 mehr als die eigentlich zugelassenen 30 Prozent Luftanteil, neun sogar mehr als 60 Prozent. Die Packung mit acht Lutschern "Nimm 2 Lolly" von Storck schoss mit 90 Prozent Luftanteil den Vogel ab. Knapp dahinter lagen damals der Dreierpack Fisherman’s Friend mit 88 Prozent und die Curry-Reiskugeln von Maggi mit 75 Prozent Luftanteil.