Corinna hat Julian kennengelernt, als er als Praktikant in das Büro kam, in dem sie Gruppenleiterin war. Er reparierte gerade den Abfluss eines Waschbeckens. Sie hatte geflirtet: Ob das Vorderteil dieses Unbekannten genauso attraktiv sei wie sein Hinterteil? Julian stieg auf den Flirt ein, sie wurden ein Paar. Corinna unterstützte ihn im Studium. Er fand einen guten Job, es kamen Kinder.

Irgendwann entdeckte Corinna zufällig, dass er eine Affäre hat. Sie las eine Handynachricht an Julian, als er auf der Toilette war und sie eine Nachricht von ihrem Sohn erwartete. Julian schwor, die Sache sofort zu beenden. Jetzt ist Corinna außer sich und verlangt von ihm, alle Passwörter offenzulegen. Er habe ihr Vertrauen verscherzt und müsse zulassen, dass sie ihn kontrolliere.

Wolfgang Schmidbauer:

Der beliebte Satz " Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser" ist ebenso falsch wie seine Zuschreibung an Lenin. Der Revolutionär hat das so nie gesagt, sondern ein russisches Sprichwort zitiert, das eher auf die Integration von Vertrauen und Kontrolle hinausläuft ("Vertraue, aber prüfe nach").

Corinna sollte sich davor hüten, ihr einst blindes Vertrauen in ein ebenso blindes Misstrauen zu verwandeln. Sie muss herausfinden, was sie mit Julian verbindet und wie sie den Einbruch von Verlustängsten und die Wut über seine Treulosigkeit gemeinsam mit ihm überwinden kann – indem sie versucht, ihn neu kennenzulernen und die Beziehung zu intensivieren. Wenn sie ihn nur überwacht, wird sie ihn womöglich anregen, seine Fähigkeiten zur subversiven Aktion zu steigern.