Sprich, Logos, von Tapiren. Sprich, Logos, bitte auch vom Dichter Steffen Popp, der seine Poeme oft mit derart schief-großen Anrufungen durchsetzt. Steffen Popp ist staatlich anerkannter Yoga-Lehrer, lässt sich gern in wallenden Zeremonienmänteln fotografieren und schreibt scheinbar ebenso weihevoll wallende Gedichte – Gedichte, die ich seit einiger Zeit immer und immer wieder lese, hineingerissen in ihre seltsam überschießende, vor möglichen Bedeutungen sprudelnde Schönheit.

Was finde ich eigentlich schön? Auf diese Frage pralle ich bei Dickicht mit Reden und Augen, dem dritten Band des 1978 in Greifswald geborenen, längst als eine hervorstechende Stimme der Gegenwartslyrik geltenden Autors. Auf meine Frage pralle ich immer wieder neu, weil ich auch immer wieder neu von Popps Versen abrutsche, mich dann wieder anders aufmachen muss, ihnen nur versuchsweise folgen kann. Zum Beispiel Von Zinnen. Es beginnt so: "Sage war alles, Packpferd (mit ihm durch Gebirge) / Futtersack (und Paris April). Hain, Gemüsehain des / geistig Verheerten. Hirschen. Enormes Er (Bottrop / Bingen). ... schrieb Ihnen glühende Briefe, Madame. / Glühende Sachbearbeiterin – Schweifstern, Gau."

Jawohl, Gau, aber Gau ganz bestimmt nicht als Pointe oder Knalleffekt des davor Gesagten. Wie ausgestanzt und dennoch organisch treten die Wendungen hervor. Über jedem der vielen Hauptwörter glühen eigene Vorstellungswelten, wie in einer einzigen fließenden Bewegung werden Bedeutungen gesetzt und wieder abgelöst. Was sich als Beschreibung hochgestochen anhört, beim Lesen jedoch selbstverständlich anfühlt. Ich falle mehr hindurch durch dieses Spiel von Klang und Motiven, als dass ich es kritisch durchkämmen könnte.

Der kunstvolle Schluckauf im Pathos des Erhabenen

Oft gehen die Gedichte von bestimmten Naturbildern aus. Etwa vom Meer, aus dem die Aussagen anfangs wie Treibgut angespült werden. Jeder Topos zieht dann ein anderes Gedichtverfahren nach sich. Überall jedoch kann einem das titelgebende "Dickicht" entgegenschlagen, in dem ja unbeherrscht alles mit allem verschlungen ist.

Wenn Steffen Popp etwas beherrscht, denke ich beim Lesen, dann ist es solche Unbeherrschtheit. Er schüttelt sie geradezu aus den Ärmeln seines wallenden Dichtermantels. Sie versteckt sich in der selbstverständlichen Anmaßung seiner Sprechweise, jener unverwechselbaren Schrulligkeit, mit der er den ganz hohen Dichterton anschlägt, um ihn sodann quietschen zu lassen – "Liebe wollte Antike, Grube war Trumpf / – Gugelhupf, Unterschlupf, Grmpf."

Überhaupt wäre Schrulligkeit ein schönes Popp-Stichwort, klänge es nicht viel zu tantenhaft und vertrottelt für jene erlesene quirkiness , die hier die Verse angreift. Ob ragende Zinnen, Sternenfeuer oder urdeutsch rauschender Wald, Popp greift zum Erhabenen, in das ihm wie ein kunstvoll kultivierter Schluckauf immerzu im gleichen Weiheton Profan-Läppisches einschießt: "Du betest zu Puffreis, dem Sack, der voll Puffreis war."