DIE ZEIT: Herr Ambrefe, Sie haben beruflich oft in Dallas zu tun. Gehen Sie dort am Flughafen jetzt gerne durch den Security Check?

Joseph Ambrefe: "Gerne" wäre übertrieben. Aber ich fühle mich während der Kontrolle entspannter, weil mir das neue Ambiente gefällt.

ZEIT: Ihre Firma Security Point Media hat im Auftrag der Flughäfen Dallas Fort Worth in Texas und Charlotte Douglas in North Carolina ausgewählte Kontrollzonen umgestaltet. Die Anregung dazu kam von Ihnen. Worum geht es bei diesem Pilotprojekt?

Ambrefe: Airports investieren überall viel Geld, damit sich die Passagiere wohlfühlen. In den Einkaufspassagen, in den Wartebereichen an den Gates ... Nur der Sicherheitsbereich scheint von solchen Bemühungen ausgeschlossen. Dort sieht es absolut stillos aus. Das verstehe ich nicht, zumal völlig klar ist, dass es auch in Zukunft nicht ohne umfangreiche Kontrollen geht.

ZEIT: Was haben Sie unternommen, um den Wohlfühlfaktor zu erhöhen?

Ambrefe: Wir haben zunächst sehr triste Orte vorgefunden. Die beherrschende Farbe an den Security Checkpoints war Grau. Grau wie bei Kriegsschiffen. Diese Farbe zu ändern war uns besonders wichtig. Jetzt dominiert Rosa. Rosa hat eine beruhigende Wirkung auf Menschen ...

ZEIT: ... weshalb sie gern auch mal in Gefängnissen und psychiatrischen Einrichtungen eingesetzt wird.

Ambrefe: Das kann gut sein. Ich will den Security Check aber nicht mit einem Gefängnis vergleichen. Obwohl: An manchen Flughäfen denkt man schon, dass man gleich in den Knast marschiert und nicht etwa auf ein Flugzeug zu. In jedem Fall bedeutet der Kontrollbereich für viele Stress, deshalb haben wir eine Farbe gewählt, die entspannt. Außerdem haben wir uns um anderes Licht gekümmert. Bisher herrschte kaltes Neonlicht vor. Wir haben viel mit indirektem Licht gearbeitet.

ZEIT: Sie bringen auch Lounge-Mobiliar zum Einsatz, etwa rote Sofas und Barstühle. Ist das nicht ein bisschen viel Kulissenzauber? Schließlich können Sie an der Grundsituation nichts ändern: Jeder muss kontrolliert werden, weil jeder theoretisch ein Terrorist sein könnte. Da wirken Lounge-Möbel leicht wie eine Vorspiegelung falscher Tatsachen.

Ambrefe: Sie dürfen nicht vergessen, dass das Mobiliar zunächst einmal eine ganz praktische Funktion erfüllt. In den USA ist man am Security Check gezwungen, seine Schuhe auszuziehen. An den meisten Flughäfen muss man das im Stehen tun. Das ist einfach ungemütlich. In Dallas und Charlotte kann man sich jetzt beim Aus- und Anziehen der Schuhe ordentlich hinsetzen. Das ist sehr viel bequemer. Davon abgesehen, wollten wir tatsächlich erreichen, dass der Security Checkpoint eher an eine Hotellobby erinnert. Deshalb haben wir auch mit der Hotelkette Springhill Suites zusammengearbeitet. Die hat uns die Bereiche eingerichtet und sie mit großformatigen Bildern von Wasserteichen und Blumen dekoriert.

ZEIT: Aber die Hoteldeko allein schafft doch keine Hotelsituation. Sie müssen ja nach wie vor Anweisungen des Personals Folge leisten.

Ambrefe: Natürlich. Aber die Passagiere sind in einer netten Umgebung kooperativer. Die ersten Tage an den neuen Kontrollstellen haben gezeigt, dass viel weniger geschimpft wird. Das führt dazu, dass die Kontrollen zügiger verlaufen und sowohl die Passagiere als auch das Personal bessere Laune hat. Zumal wir auch die Ansprache der Passagiere geändert haben.

ZEIT: Wie das?

Ambrefe: Es gibt jetzt Bildschirme, auf denen freundliche, geduldige Stimmen den Passagieren genau erklären, was sie tun müssen: Schuhe ausziehen, Gürtel ablegen, Laptop aus der Tasche holen ... Bislang kamen die Anweisungen direkt vom Personal. Die Leute am Security Check haben aber vielleicht schon eine lange, anstrengende Schicht hinter sich und treten dann nicht mehr so freundlich auf, wie wir das als Passagiere zu Recht erwarten.

ZEIT: Die Hotelkette, mit der Sie zusammenarbeiten, dekoriert den Sicherheitsbereich nicht nur, sie wirbt dort auch für sich. Und die Erschließung dieses Bereichs für die Werbung ist im Grunde das eigentliche Geschäftsinteresse Ihrer Firma. Bewegen Sie sich da nicht in einem problematischen Werbeumfeld?

Ambrefe: Wir verschönern das Umfeld ja und machen es dadurch für Werbekunden attraktiver – insbesondere für solche natürlich, deren Produkte in den Shoppingzonen dahinter angeboten werden. Das war übrigens, als wir den Flughäfen unsere Idee vorgestellt haben, einer der Punkte, die den Betreibern besonders eingeleuchtet haben: Wenn die Menschen schneller und entspannter durch den Security Check kommen, geben sie an den Gates mehr Geld aus.