Es war nicht ihre Idee. Aber ohne ihre Zustimmung wäre ein Comeback nicht möglich. Die Kanzlerin muss es wollen. Sie war es schließlich, die ihren einstigen Vertrauten Norbert Röttgen in einem Akt beispielloser Härte aus dem Kabinett geworfen hatte. Keine zwei Jahre ist das her. Und es wirkte damals nicht wie die Unterbrechung einer Karriere, sondern wie der Sturz ins politische Nichts.

Nun aber soll der frühere Umweltminister auf die politische Bühne zurückkehren, nicht an den Kabinettstisch, aber doch in eine einflussreiche Position. Wenn es nach den Vorstellungen der Unionsspitze geht, wird er künftig den Auswärtigen Ausschuss des Deutschen Bundestages leiten. Er wird ein repräsentatives Büro mit Blick auf den Reichstag beziehen, interessante und wichtige Leute aus aller Welt werden das Gespräch mit ihm suchen. Die deutsche Außenpolitik bekommt unerwartet einen neuen, alten Akteur.

Wenn er in diesen Tagen einen Blick auf sein künftiges Arbeitsfeld wirft, fällt ihm zuerst die "Diskrepanz zwischen der ökonomischen und politischen Schlüsselstellung des Landes und der öffentlichen Wahrnehmung" auf. Deutschland erfahre "einen enormen Bedeutungszuwachs", doch in Politik und Gesellschaft herrsche eine "starke introvertierte Neigung". Es sei deshalb notwendig, meint Röttgen, sich immer wieder bewusst zu machen, "wie stark wir international verflochten sind und wie sehr man in Europa und darüber hinaus darauf schaut, dass Deutschland seine Verantwortung wahrnimmt: politisch, wirtschaftlich, finanziell und in Ausnahmefällen auch militärisch".

Eine Wiederannäherung zwischen Merkel und Röttgen schien undenkbar

Noch bevor Röttgen sein Amt antritt, lässt die Personalie schon aufhorchen. Der Bruch war seinerzeit so spektakulär, dass jede Veränderung in der Beziehung zwischen der Kanzlerin und dem einstigen CDU-Hoffnungsträger selbst wieder etwas Spektakuläres gewinnt. Nie zuvor war Merkel so unverstellt und brutal zu Werke gegangen, nie zuvor hatte ein Minister so offen gegen die eigene Entlassung opponiert. Indem Röttgen sich weigerte, "freiwillig" abzutreten, geriet die Sache zum Eklat.

Eine Wiederannäherung schien kaum denkbar. Nun kommt sie doch. Oder zumindest die Chance dafür. Noch hat es kein ausführliches Gespräch zwischen den beiden gegeben, allenfalls kurze Begegnungen am Rande der Fraktionssitzung, Andeutungen einer Normalisierung.

Röttgen hat sich nicht an die Kanzlerin gewandt. Und sie sich nicht an ihn. Es war Peter Hintze, der langjährige Vertraute Merkels, zugleich langjähriger Mentor Röttgens, der die Sache auf den Weg brachte. Hintze hatte seinerzeit nicht nur Verständnis für die Entscheidung der Kanzlerin, er war auch einer der wenigen, die versuchten, Röttgen gerecht zu werden, als sich Medien, Parteifreunde und Wähler von dem einstigen politischen Glückskind abgewandt hatten. Und so begann Hintze schon unmittelbar nach Röttgens Sturz damit, die Scherben aufzusammeln. Der ehemalige CDU-Generalsekretär ist nicht nur ein brillanter Beobachter der politischen Verhältnisse im Land; als Chef der nordrhein-westfälischen CDU-Landesgruppe im Bundestag ist er zugleich einflussreich. Er hat der Kanzlerin die Idee nahegebracht.

Und noch einen anderen konnte Hintze gewinnen: Fraktionschef Volker Kauder. Seine Beziehung zu Röttgen ist eine eigene Geschichte, nicht ganz so exzessiv wie die zwischen Merkel und Röttgen, aber doch ähnlich aufgeladen. Zwischen 2006 und 2009 hatte Röttgen Kauder als Erster Parlamentarischer Geschäftsführer gedient. Wobei man das Wort "dienen" in diesem Zusammenhang nicht allzu wörtlich nehmen darf. Röttgen erledigte seine Aufgabe inhaltlich wie kommunikativ mit Bravour und signalisierte gerade damit, dass sein Ehrgeiz weit über das Fraktionsmanagement hinausreichte. Das ging dem hölzern-verlässlichen Kauder bald arg auf die Nerven. Und mündete, als Röttgen selbst Ambitionen auf das Amt an der Spitze der Fraktion erkennen ließ, in einem erbitterten Zerwürfnis.