Abgesehen davon, dass eine Sonntagszeitung mal wieder die Fakten verdreht hat, um eine Schlagzeile blasen zu können, ist die Frage, die die Zeitung 43 Parlamentariern als Forderung in den Mund gelegt hat, grundsätzlich interessant: Soll die Schweiz die Prostitution verbieten?

Wir wären ja so viel los, was uns stört. Die Frauen müssten ihren Körper nicht mehr verkaufen, die Zuhälter hätten kein Brot mehr, und die Freier, diese seltsamen Vertreter der Spezies Mann, müssten sich anderswie Erleichterung verschaffen.

Leider ist es nicht so einfach. Die Erfahrungen aus Schweden, wo man 1999 die Inanspruchnahme sexueller Dienste verboten hat, sind so toll nicht. Jedenfalls nicht für die Frauen, um die es eigentlich gehen müsste. Die paar, die noch dem horizontalen Gewerbe nachgehen, streiten sich um die verbliebenen Freier (die sich strafbar machen) – und tun vieles, was man nicht tun sollte, für das wenige Geld. Vergewaltigungen und Geschlechtskrankheiten haben in Schweden zugenommen. Außerdem blüht das Gewerbe auf der anderen Seite der Grenze im liberalen Dänemark. Es ist so wie damals, als man in den USA den Alkohol verboten hatte. Die Prohibition führte ja nicht dazu, dass weniger Alkohol getrunken wurde. Nein, nur der Stoff wurde teurer und schlechter.

Mal abgesehen von den Folgen für die Sexarbeiterinnen, würde uns ein Verbot überhaupt dienen? Nein. Damit wäre bloß aus den Augen und dem Sinn, was nicht in unser gepützeltes Menschenbild passt. Die Prostitution wäre damit noch lange nicht abgeschafft. Sie entspricht offenbar einem gewissen Bedürfnis. Noch. Sollten wir uns aber Rechenschaft darüber ablegen, was wir tun, wenn wir eine Frau für Sex bezahlen, dann könnte vielleicht ein gesellschaftliches Umdenken stattfinden. Kurz: Wer Prostitution verbietet, zeigt vor allem, dass er dem Menschen, genauer: dem Mann, nichts mehr zutraut.