Frisch ist das neue jung. Beziehungsweise das neue neu. Oder das neue gut. In jedem Fall ist "frisch" eine Auszeichnung. Sonst würden Kunden wohl kaum ständig darauf hingewiesen, dass Käse aus frischer Milch hergestellt, Gemüse erntefrisch eingefroren und Brot "ofenfrisch" gebacken wird.

Frisch klingt toll, ist aber ein dehnbarer Begriff und deswegen im Lebensmitteleinzelhandel äußerst beliebt. Freunde der Asterix-Comics kennen den Fischhändler Verleihnix, der in seinem Laden stets frische Fische anbietet. Das stimmt sogar, weil sie ihm tatsächlich frisch mit dem Ochsenkarren aus dem fernen Lutetia geliefert werden. Obwohl das Dorf der Gallier ja direkt am Meer liegt. Frische ist eben relativ, mal bezieht sie sich auf den Fang, mal auf die Lieferung, und jeder versteht darunter etwas anderes. So beweist der große Verleihnix, dass man die Wahrheit sagen und gleichzeitig lügen kann. Meisterhaft.

Ähnlich verhält es sich bei Backwaren. "Ofenfrische" Brötchen wurden bisweilen schon Monate zuvor in China als Teiglinge hergestellt, dann im Tiefkühlcontainer verschifft, um in Hamburg bloß aufgebacken zu werden. Insofern ist "ofenfrisch" zwar eine korrekte Bezeichnung, die aber einen Teil der Wahrheit ausblendet.

Dass der Frischewahn ausarten kann, zeigt ein Besuch bei Kaufland. Ein aufmerksamer Leser der Quengelzone entdeckte dort ein Eigenmarken-Paniermehl mit der Aufschrift "Aus ofenfrischem Weißbrot". Dabei wusste schon Oma, dass ofenfrisches Weißbrot vor allem weich ist und sich nicht raspeln lässt. Außer natürlich, man holt es erst dann aus dem Ofen, wenn es steinhart und fast zu Kohle gebrannt ist. Aber stellt man sich das unter "ofenfrisch" vor? Alte und harte Brötchen eignen sich jedenfalls viel besser zur Paniermehlproduktion. Aber offenbar will man Verbrauchern nicht mal diese simple Wahrheit zumuten.