Langeweile gilt in der Literaturkritik als umstrittene Kategorie. Sie auf künstlerisch an-spruchsvolle Werke anzuwenden, halten viele Kritiker für Banausentum. Weder Adalbert Stifter noch Arno Schmidt machten es sich zur Aufgabe, Bücher für das Unterhaltungsbedürfnis des Publikums zu schreiben. Es gibt Leute, die Adalbert Stifter und Arno Schmidt dennoch sehr kurzweilig finden. Die Langeweile ist folglich eine subjektive Kategorie und wahrscheinlich auch deshalb umstritten. Obwohl sich jeder Kritiker, wenn er ehrlich ist, schon mal entsetzlich gelangweilt hat bei einem Buch, von dem er wusste, dass er es künstlerisch anspruchsvoll zu finden hat.

Wie auch immer: In der echten Unterhaltungsliteratur gibt es solche Widersprüche nicht. Hier ist die Langweiligkeitsfrage so legitim wie einfach zu beantworten. Ein Unterhaltungsroman, der den Konsum kleiner, weißer, den Schlaf herbeiführender Pillen ersetzt, hat sein Ziel verfehlt. Und ebendies ist bei Glänzende Geschäfte von Katharina Münk der Fall. Spätestens auf Seite 50 sehnt man sich nach Adalbert Stifter. Und das will was heißen. Katharina Münk (ein Pseudonym) ist eine erfahrene Unterhaltungsautorin, sie hat Fantasie, Humor, eine freche Sicht auf die Welt und kann eigentlich recht munter schreiben. Über die Ehe der Hauptfigur Wilhelm Löhring mit einer Französin heißt es: "Genau genommen war ihre Ehe die Fortsetzung des Zweiten Weltkriegs mit anderen Mitteln." Außerdem arbeitet Katharina Münk als Personal Coach für Führungskräfte, besitzt also Milieukenntnis in der Welt der Wirtschaft, wo ihre Geschichten angesiedelt sind.

Die Story ist kurz gesagt folgende: Der Wirtschaftsboss Wilhelm Löhring erleidet einen Burn-out. Sein Therapeut empfiehlt ihm einen "Brillenwechsel", das heißt Urlaub in einem berufsfremden Milieu. Löhring ist bereit, sich in einer Justizvollzugsanstalt nützlich zu machen. Der Häftling Kellermann entführt Löhring. Es folgt die Lösegeldnummer. Es folgt ein Mord an einem Vermögensverwalter, es folgen haarsträubende Geschäftsideen und Verwicklungen mit Bankern und Investmentfritzen.

Das Ganze ist wohl als Wirtschaftssatire gedacht, aber so hölzern, dass man es kaum glauben mag. Ein Beispiel: Löhring fährt im ersten Romankapitel auf der Autobahn. Er fährt nicht 180, auch nicht 200, nein, er fährt 240 Stundenkilometer. Damit könnte er auf den Nürburgring. Aber gut. Löhring fährt also mit seinen 240 Stundenkilometern "auf einen Kombi zu". Die Situation benötigt wahrlich keinen Erzählerkommentar. Dass ein Mann, der mit 240 Stundenkilometern auf einen Kombi zurast, nicht alle Tassen im Schrank hat, versteht sich von selbst. Katharina Münk glaubt aber, einen Kommentar anbringen zu müssen, und schickt einen Satz hinterher, der so langweilig ist, dass sich Adalbert Stifter im Grab umdreht: "Er fuhr schnell." Da wäre man jetzt nicht von allein drauf gekommen. So ist der Roman von Anfang bis Ende. Ein einziger einschläfernder Kommentar zur geistigen, seelischen, moralischen Kaputtheit der Wirtschaftsmenschen.

Wirklich unterhaltsam wäre mal ein Roman, der den Mainstream gegen den Strich bürstet und von sympathischen, aufgeräumten Wirtschaftsbossen erzählt.