Die Liebe erkaltet, die Sitten verfallen, es regnet Makrelen und Heringe. Schwarz wie ein Trauergewand verfärbt sich die Sonne, ein neuer Planet erscheint am Himmel, an den Mauern fliegen Schatten, die niemand wirft – die Liste der untrüglichen Zeichen, dass der Weltuntergang unmittelbar vor der Tür steht, ist voller gruseliger Poesie. Florian Werner hat sie mit lexikalischem Eifer zusammengetragen, Verhalten bei Weltuntergang heißt die endzeitliche Fibel, mit der er sich – nach Dunkle Materie. Die Geschichte der Scheiße und Schüchtern. Bekenntnis zu einer unterschätzten Eigenschaft – einem weiteren menschlichen Urthema zuwendet. Beginnend auf Seite 156, streift dieser absurde Countdown genüsslich durch die Geschichte der Angst vor dem kollektiven Exitus. Welche Wesen werden auftauchen, wenn das Ende kommt? Was für Zeichen, Zahlen, Buchstabenkombinationen kündigen den Garaus an? Wer sind Propheten des Untergangs, wie muss man sich die Welt nach der Welt, also wahlweise die Hölle, das Nichts, den Endkampf, das Jüngste Gericht vorstellen? Trägt der Teufel Hörner, oder ist er einer von uns?

Grandios groteske Zeichnungen des Illustrators Nikolaus Heidelbach begleiten die muntere Tour, die, Derrida zitierend, freudig zelebriert, dass die Apokalypse "auf fabulöse Weise textuell" sei, da sie ausschließlich in dem Moment existiere, in dem man von ihr spricht oder schreibt – schließlich wird nach dem Ende ja niemand mehr übrig sein, der berichten könnte. Und so beeilt sich dieses Buch, noch einmal festzuhalten, was sich die Menschheit an Grauen vor dem eigenen Ende alles ausgedacht hat. Schnell lesen, bevor es zu spät ist!