Der Bundesverband der Autovermieter klagt gegen die Firma Autonetzer, die Carsharing unter Privatleuten organisiert. Jeder, der seinen Wagen über die Autonetzer vermiete, müsse einen gewerblichen Mietwagen anmelden, lautet die Forderung. Aber das hätte erhebliche finanzielle Folgen; es würde sich kaum noch lohnen.

Man kann die Klage auch so interpretieren: Junge Unternehmen, die dem Motto "Teilen statt Besitzen" folgen, werden inzwischen so ernst genommen, dass sich die Etablierten gegen sie wehren. Die Entwicklung, dass Privatleute einander Wohnungen, Autos und anderes verleihen oder für kurze Zeit überlassen, wird es allenfalls bremsen, aber nicht aufhalten. Mehr noch, in San Francisco wird inzwischen sogar die Idee diskutiert, die ganze Stadtentwicklungspolitik nach derartigen Ideen auszurichten: die Stadt vom "Teilen statt Besitzen", vom "Überlassen auf Zeit" her zu denken. Ein Ergebnis dieser Debatte steht noch aus.

Wer sich einen Eindruck davon verschaffen will, wie frisch und zugleich lebendig dieser Trend in Deutschland ist, schaut am besten das Carsharing unter Privatleuten an. Mehrere Tausend Deutsche teilen inzwischen ihr eigenes Auto, Tendenz stark steigend, und ein eigener Begriff dafür ist auch gefunden: P2P-Carsharing. P2P steht für peer to peer oder, sinngemäß übersetzt, für ein Miteinander unter Gleichen. Die Möglichkeit, eine Zusatzversicherung abzuschließen, die den Halter und dessen Versicherungspolice im Falle eines Unfalls schadensfrei hält, ist im Jahr 2011 ein wichtiger Schritt gewesen, um Autobesitzer für dieses Modell zu gewinnen.

Sie fühlen ein emotionales Niemals? Ein schmerzhaftes Ungern? Oder ein bedenkliches Aber? Und dennoch: Es gibt sie! Menschen, die ihren Nachbarn und sogar Fremden ihr Kraftfahrzeug anbieten. Im Laufe des Jahres 2010 sind gleich drei sogenannte P2P-Carsharing-Anbieter an den Start gegangen: Autonetzer aus Stuttgart, Tamyca aus Herzogenrath bei Aachen und Nachbarschaftsauto aus Berlin. Je nach Anbieter kann der Nutzer zwischen 2.000 bis 4.000 Autos wählen, und damit sind die Neulinge schon jetzt genauso groß wie die traditionellen Carsharing-Anbieter.

Gemein ist den P2P-Carsharing-Unternehmen, dass sie nicht in eigene Fahrzeuge investieren, sondern Besitzer und Kurzzeitfahrer zusammenbringen, einen Rahmen des Vertrauens schaffen und die Abwicklung erleichtern. Die Plattformen sind damit weniger kapitalintensiv und kommen bisher mit Wagniskapital in sechsstelliger Höhe aus.

Eigentlich schien der Markt für Carsharing schon vorher dicht besetzt. Mehr als 110 Firmen sind Mitglied im Bundesverband CarSharing. Die bekannteren Unternehmen lassen sich kategorisieren: Da gibt es Anbieter wie Cambio, Stadtmobil und Flinkster, die ihren Mitgliedern an zentralen Stationen jeweils um die 1.000 bis 3.000 Fahrzeuge zur Verfügung stellen. Daneben haben sich in den vergangenen Jahren die sogenannten Free-Floating-Anbieter ausgebreitet. Sie ermöglichen ein flexibles Ausleihen und Abstellen der Autos innerhalb eines vorgegebenen Stadtgebiets. Am bekanntesten sind sicher die mehr als 3.000 blau-weißen Smarts von Car2Go und die knapp 2.000 Mini Cooper und 1er BMW von Drive Now. Seit April bietet auch der Hersteller Citroën in Berlin 350 weiß-violette Elektroautos unter der Marke Multicity an. Gemeinsam ist diesen Unternehmen, dass sie eine eigene Fahrzeugflotte unterhalten und insofern hohe Fixkosten haben.

Obwohl die P2P-Firmen noch nicht lange am Markt sind, deutet sich bereits an, in welchen Situationen sie besonders begehrt sind: ab einer Nutzungsdauer von über einem Tag (gegenüber den Free Floatern auf der Kurzstrecke) und auf Entfernungen von 100 bis 200 Kilometern (gegenüber den traditionellen Autovermietern).

Hinzu kommt die Bevölkerungsdichte: Am Stadtrand oder im ländlichen Raum haben allenfalls die P2P-Carsharing-Plattformen eine Chance. Die Free-Floating-Anbieter konzentrieren sich ausschließlich auf Ballungsräume.