Das Schlimmste ist, dass sich die Bundeswehr gegen all das nicht wehrt. Aber ich wehre mich. Als Bürger kann ich das. Es ist unhaltbar für unsere Demokratie, dass Bürger, die sich für viele Jahre dem Dienst an der Gemeinschaft verschreiben, dafür ausgegrenzt werden.

Ich selbst habe erst erkannt, dass ich Soldat bin und bleiben möchte, als ich schon Soldat war. Meine Entscheidung für den Wehrdienst fiel aus Abenteuerlust und Trotz gegen ein pazifistisches Elternhaus. Nicht die besten Gründe. Aber die Bundeswehr hat mir viel gegeben. Ehrgeiz, Disziplin – und ein Vaterland. Als halb Schwarzer habe ich mich häufig nicht heimisch gefühlt in Deutschland. In der Schule war ich ziellos und eine Zumutung für die Lehrer. Das Militär ist keinesfalls der richtige Weg für jeden. Man muss sich über die Entbehrungen des Dienstes im Klaren sein und über die eigene Bereitschaft, in den Krieg zu ziehen.

Jeder Soldat ist gegen Krieg. Denn die Soldaten sind es, die die Folgen eines Einsatzes zu tragen haben, nicht die Abgeordneten, die ihn beschließen, oder die Kriegsgegner, die die Soldaten dafür verantwortlich machen. Meine Mutter fragt mich fast wöchentlich, ob ich denn wirklich noch nach Afghanistan müsse. Ich dürfte in meinem Leben schon mehr über Sinn und Unsinn von Krieg nachgedacht haben als mancher friedensbewegte GEW-Funktionär. Deshalb weiß ich, dass manche Kriege geführt werden müssen, um uns die Freiheit zu bewahren, gegen Kriege sein zu können.

Abschließend noch ein Kommentar zum ach so weitverbreiteten Rassismus in der Bundeswehr: Das ist Bullshit. Wie in jeder Organisation gibt es auch in der Bundeswehr Idioten und geistig Arme. Nur: Im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen geht die Bundeswehr massiv gegen rechtsradikale Kameraden vor. Unter anderem mit einem eigenen Geheimdienst, dem Militärischen Abschirmdienst, der bei dem kleinsten Nazi-Verdacht eine Kaserne auf den Kopf stellt. Und wer glaubt, dass es nach einer gemeinsam durchgestandenen Gefechtsübung noch "Ausländer" gibt, hat keine Ahnung von der zusammenschweißenden Wirkung unseres Berufs.

Natürlich kann man die Bundeswehr für alles Mögliche kritisieren, man muss es sogar. Auch ich hatte anfangs Zweifel und Vorurteile. An meinem ersten Tag, auf dem Weg zum Kasernentor, verließ mich der rebellische Mut ein wenig, und ich fragte mich: War das wirklich eine gute Idee? Sind das nicht vielleicht doch alles Nazis? Plötzlich kam ein Gruppenführer vorbei, schwarz, dann ein Zugführer, ebenfalls schwarz. Ich habe angefangen, meine Vorurteile zu hinterfragen. Mit der Zeit habe ich eine Menge weißer, farbiger, männlicher, weiblicher, hetero- und homosexueller, atheistischer, muslimischer und christlicher Soldaten kennengelernt. Sie alle sind meine Kameraden. Und sie verdienen Respekt.