Dass große Kunst aus großem Leiden entsteht, ist ein Mythos und trifft zwar oft zu – was ihn betrifft, scheint aber das Gegenteil der Fall zu sein: "Klarheit, Einigkeit, Frieden, Harmonie, das sind Kategorien für mich. Wahnsinn und Chaos gehören nicht dazu." Von Anfang an verlief sein Leben in geebneten Bahnen. Zwar waren die Eltern arm, hatten aber Grundsätze: "Du bist vielleicht arm, aber du bist ehrlich und hast Integrität. Armut ist kein Grund dafür, zu stehlen oder zu betrügen." Und sie ermöglichten ihm, sein vermutlich ererbtes Talent früh zu entfalten: Der Vater, selber Musiker, brachte ihm das Geigespielen bei, da war er kaum vier. Als Achtjähriger sattelte er dann auf das Instrument um, das sein Markenzeichen werden sollte. Mit 16 hatte er schon seine eigene Band, mit 22 war er weltberühmt.

Und das ist er geblieben, ein Vorbild für bald drei Generationen, eine lebende Legende. Bei Auftritten umgibt er sich oft mit jüngeren Kollegen und wirkt dabei selber so, als sei die Zeit fast spurlos an ihm vorbeigerauscht. Ein Mann, der vor Energie, Musikalität und Spirit nur so sprüht. "Ich sehe mich als ewigen Studenten, bin kein Master von irgendwas, sondern hungrig zu lernen, auch von den jungen Leuten auf den Straßen", sagt er – man glaubt es ihm sofort. Zumal er trotz aller Erfolge bescheiden auftritt; er sei sich der Tatsache bewusst, dass er "nur als Medium für die Musik zu dienen" habe. Und: "Ein Instrument kann nicht lügen. Es kann nur die Gefühle vermitteln, die sein Besitzer hat, wenn er spielt. Egal, ob Gitarre oder Tuba."

Dabei ist es ihm ein Anliegen, etwas von dem, was das Leben ihm schenkte, zurückzugeben. Gemeinsam mit seiner ersten Frau, mit der er 34 Jahre glücklich verheiratet war und drei Kinder groß zog, gründete er eine Stiftung. "Wir müssen bei uns mehr in Bildung als in Kriege stecken", ist sein Credo. Weil er trotz aller Missstände auf der Welt zwar nicht an die Kirche, aber an Gottes Weisheit und Liebe glaubt: "Bevor Sie einen Namen, eine Staatsangehörigkeit oder eine Fahne haben, der Sie folgen, sind Sie ein Teil des Lichts. Sie sind Licht!" – Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 47:

Elisabeth Charlotte von der Pfalz (1652 bis 1722) heiratete 1671 Philippe d’Orléans (1640 bis 1701), den jüngeren Bruder Ludwigs XIV. "Madame" schrieb um die 60 000 Briefe. Mit der Kurfürstin Sophie von Hannover verband sie enge Freundschaft, mit Madame de Maintenon gegenseitige Abneigung