Jean-Jacques Rousseau (1712 bis 1778), der große Philosoph der Aufklärung, war immer wieder dem Schach verfallen: "Wenn der Erreger Schach Ihren Körper befallen hat, gibt es kein Heilmittel, die Krankheit aufzuhalten", zitiert ihn der Schachhistoriker Frank Mayer.

Im Café de la Régence in Paris, in dem die stärksten Spieler der Welt verkehrten, besiegte er Diderot. Doch wollte er unbedingt selbst Philidor übertrumpfen, den damals stärksten Spieler der Welt: "Ich schloss mich in meinem Zimmer ein und verbrachte die Tage und Nächte damit, alle Spielmöglichkeiten meinem Kopf einzutrichtern und ohne Ende mit mir selber zu spielen. Nach zwei oder drei mit dieser schönen Arbeit (sic!) unter ungeheuren Anstrengungen verbrachten Monaten begab ich mich, abgemagert, gelb und nahezu stumpfsinnig, ins Kaffeehaus." Es wurde ein Desaster, was ihn indes nicht von neuerlichen, ebenso erfolglosen Versuchen abhielt. Immerhin vergeudeten auch Karl Marx und Voltaire ihre Nächte teils so – vielleicht gar eine Philosophenkrankheit?!

Gegen den Prince de Conti ließ Rousseau als Weißer einen schwarzen Bauern sich bis zum Eckturm a1 durchfressen und sich in eine neue Dame verwandeln. Schwarz am Zug wurde nun nach der Krönung des heißhungrigen Anfalls mit 1...Dxg8 durch 2. Lh6+ Dg7 3. Lxg7+ Kg8 4. e8 matt gesetzt. Wie hätte er jedoch – seinerseits sehr freizügig – in dieser "verrückten" Stellung sogar gewinnen können?

Lösung aus Nr. 47:

Welche durchschlagende Kombination brachte Schwarz schnell den Sieg? Auftakt war das Qualitätsopfer 1...Txh2+! Nach 2. Kxh2 Th8+ 3. Sh5 Txh5+ 4. Kg3 Sh3+ lief der weiße König mit 5. Kg4 Th4 ins schnelle Matt, aber auch 5. Kg2 oder 5. f4 waren hoffnungslos. Allerdings hätte auch 1...Sd3! schnell gewonnen