Ich habe nie von einer Karriere als Schauspielerin, Model oder Musikerin geträumt. Ich habe gemodelt, weil ich damit Geld verdienen konnte. Meine ersten Filme habe ich gedreht, weil mir die Rollen angeboten wurden. Als Sängerin habe ich zwei Alben aufgenommen, einfach weil ich die Möglichkeit dazu hatte. Ich mag es, mich auszuprobieren. Ein Leben, in dem sich nichts bewegt, wäre ein Albtraum für mich.

Viele Künstler leben in einer Art Blase, sie verlieren sich in ihrer Vorstellungswelt, in ihren Rollen oder den Bildern, die sie selbst oder die Öffentlichkeit sich von ihnen machen. Ich halte es für gefährlich, seinen Kopf über den Wolken zu tragen. Mein Mann ist da ganz anders, in seinen Filmen verschwimmt oft die Grenze zwischen Vorstellung und Realität. Dieser Hang zum Surrealen ist Teil seiner Persönlichkeit. Deshalb ergänzen wir uns so gut: Von einem Partner, der ähnliche Stärken und Schwächen hat wie man selbst, kann man kaum profitieren.

Was mich antreibt, sind Sehnsucht und Leidenschaft. Aber meine Sehnsucht ist immer realistisch, verknüpft mit meinen Möglichkeiten. Ich kann mir vornehmen, ein gutes Album aufzunehmen oder einen guten Film zu drehen, und alles daransetzen, dass das gelingt. Welchen Sinn hätte es dagegen, von einem Oscar oder von Goldenen Schallplatten zu träumen? Unsere Träume haben keinen Einfluss darauf, was geschehen wird.

Zugegeben, ich hätte gerne in den Sechzigern gelebt, mit Mick Jagger, Iggy Pop oder Jim Morrison. Ich hätte mich in dieser wilden Zeit wohlgefühlt. Ich hasse die politische Korrektheit heutzutage, vieles erscheint mir so zahm, sauber, steril. Manchmal beneide ich meinen Mann darum, Teil dieser Ära gewesen zu sein. Es ist seltsam für mich, darüber nachzudenken, was er alles erlebt hat, bevor ich geboren wurde.

Ich versuche, mein Leben so glücklich wie möglich zu gestalten und alles, was mich belasten könnte, zu vermeiden. Aber auch das schützt mich nicht vor realen Albträumen. Vor vier Jahren wurde mein Mann in der Schweiz verhaftet und eingesperrt. Eine unerträgliche Situation. Ohne einen Nutzen für irgendjemanden wurde das Leben unserer Familie verdunkelt. Alles kam zum Stillstand.

Mir wurde der Ehemann, meinen Kindern der Vater entrissen. Unser Haus wurde von Paparazzi belagert. Mein Leben war von einem Moment zum anderen zum Albtraum geworden. Es war eine entsetzliche Zeit. Aber durch die Hölle zu gehen hilft auch, das Schöne im Leben wieder schätzen zu lernen: das Glück, gemeinsam mit meinem Mann einen Film drehen zu können oder gemeinsam in den Familienurlaub zu fahren. Leider ist das zurzeit nur sehr eingeschränkt möglich, da mein Mann Frankreich und die Schweiz nicht verlassen kann.

Sicher, ich würde mir wünschen, dass wir als Familie gemeinsam in andere Länder reisen könnten, in den Urlaub oder auch zu Filmfestivals. Und ich habe die Hoffnung, dass das irgendwann möglich sein wird. Aber es liegt nicht in meiner Hand.