Ich lebe bereits seit Jahren mit einem schlechten Gewissen. Der Grund dafür liegt nur hundert Kilometer von meinem Wohnort Berlin entfernt. Vorgenommen habe ich es mir schon oft und es trotzdem nie geschafft: Polen zu besuchen. Als ich nun die Gelegenheit bekomme, ein E-Bike Probe zu fahren, soll mich ein Ausflug mit ihm endlich in unser Nachbarland bringen.

Das Mando Footloose ist praktischerweise ein Klapprad. Zusammengefaltet kann ich es problemlos in meinen VW Lupo hieven. Praktisch ist auch, dass man sich dabei nicht mit Öl beschmutzt, denn das E-Bike hat keine Kette. Wenn man in die Pedale tritt, treibt man damit einen Generator an, der wiederum den Akku für den Motor lädt. Aus eigener Kraft radeln kann man mit diesem Fahrrad nicht. Man kann nur radelnd Energie erzeugen, sodass der (zusätzlich an der Steckdose aufgeladene) Akku für maximal 45 Kilometer reicht. Also nicht bis Polen.

An einem Sonntagmittag mache ich mich also mit dem Auto auf den Weg nach Frankfurt an der Oder. Dort beginnt meine Radtour am Kleistpark. Die Heilbronner Straße runter, an der Europa-Universität Viadrina entlang bis zur Stadtbrücke, die über die Oder führt und Frankfurt mit dem polnischen Słubice verbindet. Mit dem Fahrrad eine Landesgrenze überqueren: mein erstes Mal. Rechts und links der weite Flusslauf, die Sonne scheint, die Luft duftet nach Spätherbst.

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Auf der anderen Seite begrüßen mich Gründerzeitbauten, die Biblioteka und Läden, die günstige Zigaretten verkaufen. Vorbei an der Art-déco-Fassade des vom Abriss bedrohten Kino Piast. Auch außerhalb der Altstadt, zwischen den tristen Hochhaussiedlungen und grauen Wohnhäusern, gibt es Besonderes zu entdecken: Eine charmante Bäckerei präsentiert eine sechsstöckige Hochzeitstorte in ihrer Auslage, drei Jugendliche spazieren mit riesigen, wolfsähnlichen Hunden durch ihr Viertel. Fast jeder Passant schaut sich nach dem Mando Footloose um. Ob das preisgekrönte Design die Aufmerksamkeit erregt oder die lauten, surrenden Geräusche des Generators – das kann ich nicht abschließend sagen. Ich stoppe an einem Restaurant mit Holzveranda. Display vom Lenkrad abnehmen, schon ist das Fahrrad blockiert. Drinnen gibt es Piroggen mit Pilzfüllung und Eurodance aus dem Radio. Super Ausflug, ich komme wieder. 

Technische Daten

Rahmen: Aluminium
Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 250 W (0,34 PS)
Höchstgeschwindigkeit: 25 km/h
Schaltung: Automatische Gangschaltung
Gewicht: 21,7 kg
Reichweite: maximal 45 km
Basispreis: 3.990 Euro

Friederike Milbradt ist Mitarbeiterin des ZEITmagazins.