Entgegen allen düsteren Prognosen können wir an dieser Stelle behaupten, dass es mit dem Fachkräftemangel auf dem deutschen Buchmarkt nicht weit her ist. Dazu müssen wir gar nicht in die hochmögenden Sphären emporsteigen. Nein, die besten Geschichten, nicht wahr, schreibt ja das Berufsleben, und wie so oft vertraut man sich in solchen authentischen Belangen lieber dem Fachmann an als einem dahergelaufenen Literaturinstitutsabsolventen oder unrealistisch subventionierten Herren im Cordjackett.

Also Helm auf und los: "Mit quietschenden Reifen hält der Löschbomber vor dem Haus, harte Männer in martialischer Kleidung (...) erwürgen das Feuer mit bloßen Händen und stiefeln dampfend (...) wieder aus den Rauchschwaden heraus." Das lasen wir neulich in 112 – der tägliche Wahnsinn (Rowohlt, 2013), und, angemessen traumatisiert, schlugen wir sogleich Die Frau, die nicht lieben wollte (Fischer, 2013) auf: Ein echter Psychiater beschenkt uns mit den herrlichsten Juckreizen des Geistes, die sich auf seiner Couch ereignet haben. Und alle Leser, die das lesen wollen, interessiert womöglich auch Wahn vom Neurologen Christof Kessler (Eichborn, 2013), der echte, nur leicht verfremdete Begebenheiten aus der Praxis bietet und Sätze wie: "Vormals war Hubertus genial in der Darstellung sinnlicher Frauengestalten gewesen." Das ist Leben, so nackt und schonungslos wie der Titel des Bauarbeiterknüllers Schutzkleidung ist nich! (Rowohlt, 2013). Wir nehmen uns ein Beispiel und sitzen schon an einem Exposé für unser erstes Buch: "Tatütata – echte Fälle der Literaturkritik".