Die Inntalautobahn ist neuerdings eine Oase der Stille. Seit nur mehr Flüstersattelschlepper auf Flüsterasphalt leise mit ihrer Last durch die Alpenlandschaft gleiten, hat sich die ehemalige Durchzugsroute in eine Idylle verwandelt. Ein kleines Stück davon war bislang sogar mautfrei, was manche ungerecht fanden. So munkelte man, dies geschehe nur, weil die Autobahnbetreiber den sogenannten Liftkaisern und Hüttenwirten entgegenkommen wollten. Alle Kraft für den Fremdenverkehr! Angeblich würden dadurch einerseits Skitagestouristen ein wenig finanziell entlastet, damit sie sich anderseits mehr Lifttickets und Jagatee leisten könnten. Das entbehrt zwar nicht einer gewissen Logik, doch welcher Verkehrsplaner ließe sich von der Gier nach schnödem Mammon leiten? Ausnahmen sind in unserem Land nur dazu da, die Regel zu bestätigen. Da es aber auf vielen Gebieten kaum klare Regeln gibt, kann schon einmal die Ausnahme zur Regel werden. Das ist auch sinnvoll so. Denn sonst würde ja jeder den Regeln ausweichen. Allerdings hat nun die Ausnahme bei Kufstein dafür gesorgt, dass eben nicht ausgewichen wurde. Was bei einer Regelung wiederum geschehen könnte. Ausnahmsweise wäre dann die Regel selbst zu einer Ausnahme geworden. Nun besteht aber Gesetzgebung eher darin, Regeln aufzustellen und nicht Ausnahmen. Gesetzt den Fall, Gesetze werden in der Regel nicht kontrolliert. Dann besteht regelrecht nicht nur ein gesetzloser, sondern auch ein ausnahmeloser Zustand. Regelmäßig verleitet das luftige Geister zu der Annahme, das Gesetz seien sie selbst. Auf Autobahnen kein seltener Ansatz. Die Lösung dieses beinahe ausweglosen Problemkomplexes wäre es, eine Maut für diesen Streckenabschnitt, auf dem keine Maut eingehoben wird, auf freiwilliger Basis dem Kraftfahrer vorzuschlagen – also eine Spende anstelle einer Gebühr. Das wäre immerhin ein Gesetz, und Zahlungen wären sicher die Ausnahme. Wahrscheinlich einer der ganz seltenen Fälle, in denen durch Ausnahmen mehr Einnahmen entstehen.