Vom Kölner Klüngel ist viel die Rede, doch diesmal haben die Stadtväter alles richtig gemacht. Dort, wo 2009 plötzlich das Stadtarchiv einstürzte und ein riesiges Loch hinterließ, haben sie nun einen fantastischen Neubau errichtet: das neue Alice-Schwarzer-Museum, einen hoch in den Himmel ragenden Turm, der es locker mit dem Kölner Dom aufnehmen kann. Am Wochenende wurde das Museum unter den Klängen der Blaskapelle Kölsche Funke rut-wieß feierlich eingeweiht. Anwesend waren Kai Diekmann mit schickem Dreitagebart und Springer-Chef Prof. Döpfner mit Maybrit Illner und Sandra Maischberger, beide in Lila. Als Erstes begrüßte Frau Schwarzer sich selbst als Gastgeberin und sagte, ihr Beitrag zur Zivilisierung Deutschlands sei aus der Geschichte der Menschheit nicht mehr wegzudenken. Dann schritten die Gäste über pflaumweiche Flokati-Teppiche mit rosa Strähnchen durch die schöne Ausstellung. Die erste Installation war erwartungsgemäß dem Kampf gegen den Paragrafen 218 gewidmet. Der Ausstellungsraum erinnert an ein Kirchenschiff und wird von dorischen Säulen aus grellrotem Styropor flankiert. In der aufreizend weiblich geformten Apsis läuft auf einem Neonlichtband der Spruch "Mein Bauch gehört mir", übersetzt in alle Weltsprachen. An den Wänden findet der Besucher Fotos kirchlicher Würdenträger mit empörend frauenverachtenden Zitaten. Hauptattraktion im Alice-Schwarzer-Museum ist jedoch die Installation "Türkenmädchen", eine Doppelspende von Thilo Sarrazin und Henryk Broder. Sie zeigt eine original Musliminnenpuppe aus Berlin-Neukölln, die nach Einwurf einer Ein-Euro-Münze demütig ihr Kopftuch abstreift und dabei in zarte Nickbewegungen verfällt. Sehr kunstvoll auch, wie die Muslimin den Koran in eine aufgespannte Aldi-Tüte gleiten lässt und dann freudig zu einem Exemplar des Buches Deutschland schafft sich ab greift. Viel Anklang unter weiblichen Besuchern fand eine vergitterte Zelle, die einen überlebensgroßen Menschenaffen zeigt. Darunter die Inschrift "Ungeheuer ist viel, aber nichts ungeheurer als der Mann". Als sehr apart wurde der letzte Raum empfunden. Er heißt "Mein ideales Deutschland" und ist in strahlendem Weiß gehalten. Der Raum ist vollkommen leer, nur die Wände sind mit Alice Schwarzers weltberühmten Bild- Kolumnen tapeziert. Zwei Niedriglohnputzfrauen halten während der Öffnungszeiten mit Steriltüchern alles supersauber. Besuchern ist der Eintritt streng verboten, der Raum ist allein Alice Schwarzer vorbehalten.

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