Ein Bäcker sollte ein wenig backen können, als Bibliothekar genügt es, ein paar Bücher zu kennen. Doch zum Taschendieb braucht es echte Talente: die Fähigkeit, sich unbemerkt an seine Opfer heranzupirschen, um sie auszunehmen; wer in dieser Branche Erfolg haben will, muss Bewegungen von Passanten erahnen. Er muss verstehen, wie Menschen funktionieren. Und vielleicht macht dieses Einfühlungsvermögen Taschendiebe zu einer Art Gradmesser des Zustandes einer Gesellschaft.

Da beruhigt es, zu hören, dass kürzlich ein chinesischer Taschendieb einem Taxigast zwar gewandt das Handy aus der Tasche entwendete, daraufhin aber schlimm vom Mitleid geplagt wurde: Um den Beklauten vor der totalen sozialen Isolation zu bewahren, schrieb der Dieb die Telefonkontakte seines Opfers ab und sandte ihm die elf Seiten per Post zu.

Und was sagt uns folgender Vorfall über die britischen Verhältnisse? In London haben Taschendiebe jüngst Passanten Geld nicht geklaut – sondern zugesteckt.