Nach der jüngsten Leitzinssenkung der Europäischen Zentralbank dürften Banken bald wieder damit werben, dass es nie günstiger war als jetzt, sich Geld zu leihen, für einen Haus- oder Wohnungskauf etwa.

Damit hätten die Banken nicht mal unrecht. Wer vor fünf Jahren einen Kredit aufnahm und sich über einen effektiven Zinssatz von vier Prozent pro Jahr freut, hat zwar im Vergleich mit seinen Eltern ein gutes Geschäft gemacht (zu deren Zeit waren die Sätze nicht selten zweistellig!), sieht aber nun alt aus.Mittlerweile gibt es Zinssätze von unter drei Prozent.

Die Sache hat freilich einen Haken. Erstens ist der Rat, die niedrigen Zinsen zu nutzen, nicht neu. Nach jeder Senkungsrunde war er richtig, und jedes Mal hat irgendwer darauf gehört. Die Folge lässt sich heute in Form von teils absurd hohen Immobilienpreisen beobachten. Sie sind wegen der hohen Nachfrage so weit gestiegen, dass die Bundesbank vor einer Preisblase warnt. Wer jetzt noch kauft, zahlt also niedrigere Zinsen, muss aber eine größere Summe aufnehmen. Aber selbst die günstigste Finanzierung nützt nichts, wenn der Kaufpreis zu hoch war. Auch Darlehen mit niedrigen Zinssätzen müssen zurückgezahlt werden. Und ist die Summe so groß, dass man sie nicht innerhalb der Zinsbindungsfrist von 10 oder 15 Jahren abtragen kann, braucht man notgedrungen eine Anschlussfinanzierung. Ob die Konditionen dann aber noch so gut sein werden wie heute, weiß niemand.