Nun hat die Große Koalition ihr Werk vorgelegt. Das Schmankerl von 200 Seiten trägt den Titel Deutschlands Zukunft gestalten. Es geht darin auch groß um die neuen Länder. Aber bleiben wir zunächst grundsätzlich.

Von einem Debüt kann keine Rede sein, da bereits 1966 und 2005 groß koaliert wurde. Nun ist diese zentrale Schrift des Jahres 2013 insofern interessant, als wir es mit einer detailreichen Erzählung zu tun haben. Wenn sie auch stilistisch komplett nach hinten kippt und dahingehend nicht überzeugen kann.

Wie bei jedem großen Standardwerk, also wie bei Bibel oder Ikea-Katalog, zweifelt der Leser ziemlich schnell daran, ob das Erzählte überhaupt möglich sein könnte, möglich werden wird. Und wie bei jedem großen Werk, also wie bei Bibel oder Ikea-Katalog, ist der genaue Autor unbekannt. Als Rezensent und Leser müssen wir uns bar jeden personellen Hintergrunds auf das geschriebene Wort verlassen, das auch hier ein Versprechen ist.

Was allerdings auffällt und von uns betrachtet werden soll, ist die Einlassung über einen besonderen Landstrich der Republik. Kapitelüberschrift: Deutsche Einheit stärken. Auf einer ganz, ganz langen Seite erzählen die Autoren von Erfolgen und schwierigen Aufgaben, vor die sie, wenn sie an Ostdeutschland denken, gestellt sind. Und da gibt es offenbar einiges zu tun. Die anonymen Autoren schreiben von einer höchst sonderbaren Gegend: "Durch große finanzielle Anstrengungen und das Engagement der Menschen in Ost und West ist es gelungen, die neuen Länder zu lebenswerten und attraktiven Regionen zu entwickeln.

Den Recherchen der anonymen Autoren zufolge hat man aus einer vom Sozialismus verseuchten, ja: kontaminierten Region wieder eine lebenswerte gemacht. Da möchten wir den Unbekannten, die das geschafft haben, heftig auf die Schulter klopfen. Der Zusammenbruch des Sozialismus war wohl so etwas wie eine Kernschmelze, die eine komplett zerstörte Welt hinterlassen hat. Jedenfalls liest die Rezensentin das so aus dem Kapitel heraus. Düster und schwer waren die Zeiten ohne Experten wie die Verfasser von Deutschlands Zukunft gestalten, die Ostdeutschland gerettet haben und nun davon erzählen. Denken die Deutschen an Ostdeutschland, denken sie an grau, kalt, grau, verfallene Häuser, grau. Das wollen die Autoren von Deutschlands Zukunft ändern. Sofern die Rezensentin die hinter steifen Formulierungen versteckte Bedeutung richtig verstanden hat.

Schon der erste Abschnitt kommt ziemlich technokratisch daher: "Dabei hat die gute wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes dazu geführt, dass die Arbeitslosigkeit in den neuen Ländern auf dem niedrigsten Niveau seit der Wiedervereinigung liegt."

Wenn man davon ausgeht, und davon darf man ausgehen, dass kurz nach dem Mauerfall fast alle Ostdeutschen ihren Job loswurden oder ihre Berufe plötzlich andere Namen hatten, ist das natürlich eine Leistung.