Das Gegenteil der notorischen ADAC-Reiseführer sind die Gebrauchsanweisungen aus dem Piper Verlag. Statt "Highlights mit informativen Kurztexten" findet man hier eher subjektive, sorgsam geschriebene Langtexte, statt hipp, hipp, hurra! mehr hopp, hopp, oha!

Und wenn es doch mal um Sanitäranlagen geht, werden sie nicht benotet, sondern bestaunt: Während einer sechsstündigen Fahrt verwandelt sich die rumänische Eisenbahntoilette "in einen Ort, den man so noch nirgendwo vorgefunden hat", notiert Jochen Schmidt.

Seine Gebrauchsanweisung für Rumänien geht so: erst mal Sprachkurse absolvieren! Und dann nur aussichtslose Wege gehen. Oder joggen. Immerfort zuhören, Zeichen lesen und visuelle Eindrücke sammeln: Roma-Jungs, die auf Strommasten klettern, um die Familie mit 220 Volt zu versorgen; Graffiti mit dem Hinweis "Arbeit tötet!"; eine Frau, die in Stöckelschuhen schneller als der Autor läuft, weil sie einen Bus kriegen will; das Schild an einer Autowäscherei: "Sauberkeit ist Zivilisation". Schmidt bereist das ganze Land, doch vor allem berichtet er über das wilde, chaotische, größenwahnsinnige Bukarest. Die große Sympathie für Rumänien und die bemerkenswerte Zurückhaltung im Auftritt lassen sich mit der Herkunft des Autors erklären: Er wuchs in der DDR auf. Sein Buch ist ein Beispiel von positiver Ostalgie. Unterwegs sammelt Schmidt Lebenszeichen, egal, ob sich dieses Leben mit, gegen oder unabhängig vom Kommunismus entfaltet hat. Wobei Schmidt angesichts des kapitalistischen Kahlschlags immer wieder zu verstehen gibt: Besuchen Sie Rumänien, solange es noch steht!