Sie kennen sich und arbeiten gut zusammen, jene Insolvenzverwalter, die verhindern wollten, dass gleich zwei Baumarktketten zertrümmert werden. Ihr Rettungsversuch misslang. Praktiker und Max Bahr fallen gerade in sich zusammen. Aber wer ist der Übeltäter in diesem Stück, das nicht nur von glücklosen Verwaltern erzählt, sondern von einer scheinbar gnadenlosen Bank sowie von aufgeschreckten Alteigentümern, die ihre Firma gerade vom Markt verschwinden sehen.

Praktiker gibt es praktisch nicht mehr. Das Unternehmen meldete bereits im Juli dieses Jahres Insolvenz an – und war nicht mehr zu retten. Die Filialen sind weitgehend geräumt, die Waren verramscht, die Mitarbeiter arbeitslos – oder in eine Transfergesellschaft gewechselt. Das ist eine Art Auffangbecken für gestrandete Menschen aus untergegangenen Unternehmen. Von der Praktiker-Pleite sind insgesamt 7.500 Menschen betroffen.

Max Bahr war bis zur Insolvenz der Muttergesellschaft Praktiker eine kerngesunde Tochter, die pünktlich ihre Miete zahlte, engagierte Mitarbeiter hatte und bei den Kunden beliebt war. Lange Zeit bildetet sie sogar die Stütze des Konzerns – bis auch die brüchig wurde. Zwei Wochen nach Praktiker kapitulierte auch Max Bahr.

Gleich drei Insolvenzverwalter machten sich an die Arbeit: Christopher Seagon bei Praktiker, Jens-Sören Schröder bei Max Bahr sowie Udo Gröner in einer gemeinsamen Holding. Sie wussten von Anfang an, wie ehrgeizig das Projekt war, doch eines schien ihnen ziemlich sicher: Max Bahr hat gute Chancen, den Abbruch der Muttergesellschaft zu überstehen.

Sie täuschten sich. Beide Firmen wird es bald nicht mehr geben.

"Das tut wirklich sehr weh", sagt Dirk Möhrle, "es ist das Lebenswerk meines Vaters." Peter Möhrle hatte 1956 die Holzhandlung von Max Bahr übernommen und sie Stück für Stück zum Baumarkt ausgebaut. 1963 eröffnet die erste Filiale in Hamburg. Besser hätte es nicht kommen können: Sohn Dirk zeigte Interesse fürs Geschäft. Schließlich nahm er sogar auf dem Chefsessel Platz und leitete die Geschicke des wachsenden Unternehmens – sieben Jahre lang und erfolgreich. Die Sache ging trotzdem nicht gut. Vater und Sohn verstanden sich immer schlechter, schließlich verließ der Junior die Firma. Das war im November des Jahres 2004.

Knapp zwei Jahre später befand der Senior, Max Bahr sei zu klein, um allein überleben zu können. Etliche Konkurrenten machten ihm zu schaffen. In ihren Reihen auch Praktiker, die ehemalige Metro-Tochter, die sich inzwischen in eine börsennotierte Aktiengesellschaft verwandelt hatte. Als der Rivale zum Verkauf stand, war man sich bald einig.

Peter Möhrle bewies einmal mehr sein kaufmännisches Geschick. An Praktiker verkaufte er lediglich das operative Geschäft, also alles, was direkt mit dem Handel zu tun hat. Die Immobilien veräußerte er separat an einen britischen Fonds namens Moor Park: für rund 800 Millionen Euro; ein überaus stolzer Preis. Moor Park gelang es zu dieser Zeit trotzdem mühelos, einen Kredit für den Immobilienkauf aufzutreiben. Schließlich galt Max Bahr als verlässlicher und prosperierender Mieter. Für den unwahrscheinlichen Fall, dass er trotzdem ausfallen könnte, akzeptierte Praktiker eine langfristige Bürgschaft.

Alles schien perfekt, die Rendite war garantiert. Doch es kam anders.

Moor Park wurde Mitte vergangenen Jahres insolvent. Den Gläubiger, die Royal Bank of Scotland, warf das nicht aus der Bahn. Das Geldhaus hatte schließlich die Immobilien als Sicherheit. Wahrscheinlich wären die Dinge auch für alle anderen glimpflich verlaufen, hätten bei Praktiker immer nur Profis agiert. Stattdessen verrannte man sich in irrwitzigen Rabattaktionen ("Zwanzig Prozent auf alles. Außer Tiernahrung"). Die brachten zunächst zwar Umsatz, aber immer weniger Gewinn. Am Ende war es eine konfuse Gemengelage von zögerlichen Aufsichtsräten, wechselnden Vorständen, illustren Aktionären und einer Heerschar von Beratern, die das Unternehmen scheitern ließ. Da vermochte auch die Tochter Max Bahr nichts mehr zu stützen.

In guten Zeiten arbeiteten in beiden Ketten rund 15.000 Mitarbeiter in 315 Märkten. Wie viele Arbeitsplätze gerettet werden können, vermag im Augenblick noch niemand zu sagen. Dabei war es Insolvenzverwalter Schröder gelungen, gleich zwei potenzielle Investoren zu präsentieren. So zeigten der saarländische Warenhauskonzern Globus und der Dortmunder Baumarkt Hellweg großes Interesse.