Zu Beginn der Woche war unklar, ob die Europäische Zentralbank am Donnerstag ihre aggressive Geldpolitik noch verschärfen würde. Die Idee negativer Zinsen steht jedenfalls im Raum: Banken würden dann dafür bestraft, dass sie Geld bei der Zentralbank parken. Und weil die Geldhäuser jede Verschlechterung gleich an ihre Kunden weitergeben, während sie bei Verbesserungen gerne etwas damit warten, müssten in dem Fall die schon extrem gebeutelten Einleger noch mehr leiden.

Aus drei Gründen muss man vor dem Spiel mit Zinsen, die in Strafen umschlagen, warnen. Erstens wäre es verheerend für deutsche Sparer, die schon jetzt in großem Umfang die Euro-Rettung finanzieren, indem ihre Bankguthaben jährlich Milliarden an Kaufkraft einbüßen.

Zweitens würde ein solcher Schritt internationalen Investoren eine gewisse Verzweiflung Europas signalisieren. Könnte alles noch schlimmer werden mit der Konjunktur, hieße das. Und: Wer erst einmal unter die Null gegangen ist, geht vielleicht auch noch weiter.

Mindestens so wichtig ist das Drittens. Wer sagt denn, dass ein solcher Schritt der Wirtschaft tatsächlich Schub verleihen würde? Oft berufen sich die Zinssenker auf den britischen Vordenker John Maynard Keynes. Doch gerade der hatte gewarnt, dass die Zentralbank mit ihren Mitteln in bestimmten Krisen machtlos sei. Eine Mahnung mit Aktualitätswert.