ZEITmagazin: Herr Huber, Sie sind Extrembergsteiger und gelten mit langen Haaren und Sieben-Tage-Bart geradezu als maskuliner wilder Mann. Gefällt Ihnen dieses Bild?

Alexander Huber: Na ja, es ist ein nettes Kompliment. Klar habe ich Muskeln, als Sportler bin ich durchtrainiert und damit automatisch männlich. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt aber als Bergsteiger und Referent. Es reicht nicht aus, wilde Aktionen in den Bergen durchzuziehen. Man wird nur bekannt, wenn man davon auch erzählen kann.

ZEITmagazin: Muss man selbstverliebt sein, um in Ihrem Sport an die Spitze zu kommen?

Huber: Eine gewisse Portion Egoismus braucht man ganz sicher. Hätte ich am Ende meines Studiums 1997 auf meine Eltern gehört, wäre ich nie Profibergsteiger geworden, sondern hätte als Physiker in der Antarktis geforscht, das war auch eigentlich mein Jugendtraum. Letztlich habe ich eine ewig lange Ausbildung durchgezogen, um am Ende doch alles links liegen zu lassen und meinen Weg zu gehen. Jeder erfolgreiche Mensch braucht egoistische und narzisstische Eigenschaften. Bei mir sind sie sicher ausgeprägter als bei anderen, aber ich bin kein Narzisst.

ZEITmagazin: Ihr Bruder Thomas, ebenfalls Extremkletterer, hat Sie einmal "Cäsar" genannt, als Sie bei einem Termin auf sich warten ließen. Wie steht es um die Rivalität zwischen Ihnen?

Huber: Das war lustig gemeint. An diesem Tag habe ich es einfach nicht früher auf die Reihe gebracht, die Kinder zur Oma zu bringen. Thomas ist mein großer Bruder, und ich bin der Kleine, das war schon immer so, aber im Prinzip sind wir beide dominante Persönlichkeiten. Wir haben uns gegenseitig eingeschenkt und angestachelt. Beim Bergsteigen hat der Ältere natürlich das letzte Wort. Ich muss meine Meinung gut verpacken, damit auch Thomas damit glücklich ist. Wir streiten, seitdem wir auf der Welt sind, halten aber auch zusammen wie Pech und Schwefel.

ZEITmagazin: Sie haben mittlerweile eine kleine Familie. Wie lässt sich das mit Ihrem Sport verbinden?

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Huber: Leistungssport zu machen, gleichzeitig zu studieren, Geld zu verdienen und eine Familie zu haben ist unmöglich. Der Sport fordert 100 Prozent. Wahrscheinlich wäre ich mit 25 Jahren Egoist genug gewesen, um bei der Familie zu kürzen, nicht beim Sport. Jetzt, mit Mitte 40, ist aber Zeit für Kinder und Familie.