Schauspieler kennen das Phänomen, Schriftsteller auch, doch so richtig erklären kann’s keiner. Da wird die Figur, die sie sich ausdenken – auf der Bühne, in einer TV-Serie oder zwischen Buchdeckeln –, zum fast realen Alter Ego. Und dann werden sie es nie mehr los. Bis nur noch eine Lösung bleibt, um sich vom Zweit-Ich zu befreien – dessen Ableben oder Verschwinden.

Er hat es immerhin bald zwanzig Jahre ausgehalten, das Leben mit dem fiktiven Zwilling. Hat geduldig geantwortet, wenn in Interviews die stets gleichen Fragen kamen. Wie viel von ihm denn eigentlich in seinem gebeutelten Helden stecke? Denn der sei zwar eine ehrliche Haut, aber doch viel zu introvertiert. Und überhaupt ... der trinke übermäßig, streite mit den Frauen, die er liebt, verirre sich in Sackgassen. Aber trotz aller Kritik, gerade solche Schwächen haben ihn dem Publikum wohl auch ganz nahe gebracht. Und damit hat er seinem Schöpfer – der laut Aussage seiner dritten Ehefrau übrigens über großen Humor verfügt – jenes Leben ermöglicht, das der sich erträumte: "Ich bin Geschichtenerzähler geworden, und nichts anderes wollte ich jemals sein." Das, so sagt er, mache ja den Menschen erst aus: "Meine Katze kann anderen Katzen nichts erzählen. Aber ich kann Ihnen von meinen Ängsten, Träumen und Hoffnungen erzählen. Und Sie können mir von Ihren erzählen."

Also führt er sein Leben am Schreibtisch – und ebenso aus dem Koffer. Unterwegs zu sein zwischen den Kontinenten ist seine zweite Leidenschaft: "Ich stehe gern mit einem Bein im Schnee, mit dem anderen im Sand." Vor allem seine Wahlheimat, die er als junger Mann entdeckte, liegt ihm am Herzen. Und damit all jene, die seine Geschichten gar nicht lesen können – weil sie nie zur Schule gehen durften. Seit Jahrzehnten nutzt er seine eigene Popularität und die seiner berühmten Kunstfigur zum Kampf gegen Not und Armut, Krankheit und Gewalt: "Ich muss bekennen, dass es viele Seiten gibt, bei denen ich mich wirklich schlecht gefühlt habe, als ich sie schrieb. Doch ich beziehe mein Material aus der Realität und nicht aus meiner Fantasie, die wäre dazu nicht grausam genug." Wer ist’s?

Lösung aus Nr. 49:

Die Taten Wilhelm Tells deuten für Jean-François Bergier auf die Zeit zwischen 1280 und 1300 im Kanton Uri hin, nach dem Bau des Wegs durch die Schöllenenschlucht. Der habsburgische Vogt Geßler ist nicht nachweisbar. Max Frisch ließ kein gutes Haar an Tell