Orhan Pamuk:

Michael hat Energie, die aber mit einer großen Freundlichkeit einhergeht. Ich genieße seinen Enthusiasmus, die Art, wie er über seine neuen Bücher und sein neues Programm spricht. Er gibt dir das Gefühl, dass man im selben Boot sitzt und dieselben literarischen Ideale hat: Was wir tun, ist höchst dringlich, hat Bedeutung und großen Wert. Wann immer ich München und den Hanser Verlag besuchte, ging ich in sein mit Büchern vollgestopftes Büro und sprach mit ihm zuerst über die Bücher, die er verlegt. Er war dabei nicht zu stoppen – unentwegt erzählte er von diesem oder jenem Autor, einer neuen Übersetzung von Madame Bovary oder von Don Quichotte. Er nimmt zwar auch die Politik wahr, aber viel wichtiger waren ihm das Büchermachen und Schreibideen. Wenn ich zuvor im Verlag zu viele Interviews gegeben hatte, konnte ich in seinem Büro ein Schläfchen machen, während er arbeitete, manchmal ließ er mich dort auch allein; auf dem Sofa zwischen all den Büchern konnte ich wundervoll schlafen. Mit ihm ist man nicht verloren in Deutschland – auch weil er jeden kennt.

Ich kannte seinen Namen, bevor er mein Verleger wurde: Da war er noch Redakteur der Literaturzeitschrift Akzente . Unsere erste persönliche Begegnung fand später in Deutschland statt. Er war nicht der erste Verleger, den ich kennenlernte. Aber er war immer besonders freundlich, stets mit guten Ratschlägen bei der Hand: Man fühlte sich wohl mit ihm, beschützt. Er riet: Mach dies besser nicht, sie stellen aus dem und dem Grund diese politische Frage, also pass auf; gib dieses Interview lieber nicht, lass uns auf jenes warten. Ich, zehn Jahre jünger als er, hörte gerne auf ihn, wie ein jüngerer Bruder.

Er kam 2012 zur Eröffnung meines " Museums der Unschuld " nach Istanbul, immer mit einem Auge fürs Detail, stets am Leben der Menschen interessiert. Nach seinem Rundgang sagte er zu mir: "Orhan, es ist ein großartiges Museum – und ich freue mich auch sehr, meine Bücher im Museumsshop zu sehen." Ich fand das hinreißend. Er ist eben nicht nur an der Qualität des Geschriebenen interessiert, sondern auch daran, dass jemand die Bücher kauft. Ich bin sehr traurig, dass ich nicht mehr mit diesem Verleger arbeiten werde. Aber jedes Mal, wenn ich in München bin, werde ich ihn besuchen.

Aus dem Englischen von Christiane Behrend

T. C. Boyle:

Wenn ich an Michael Krüger denke, sehe ich stets einen vielseitigen Mann vor mir: einen Dichter , Romanautor, Philosophen, Lebemann, mit außergewöhnlichem Scharfsinn und Geist. Nicht zu vergessen den Pascha des Hanser Verlags. Immer wenn ich die ehrwürdigen Büros dieses ehrwürdigen Verlagshauses besuchte, warf Michael sich in gespielter Ehrerbietung vor seinem amerikanischen Lieblingsautor auf den Fußboden. Wie entzückend! Wie charmant!

Um aber von ihm nicht in den Schatten gestellt zu werden, wartete ich eines sonnenüberglänzten Nachmittags vor unserem Hotelfahrstuhl auf ihn und warf mich, als er hinaustrat, vor ihm nieder, worauf er sich auf Hände und Knie niederließ, um meine Verbeugung zu erwidern. Wir hätten mit dem Verbeugen den ganzen Tag weitermachen können, aber wir mussten Bücher verkaufen, also gingen wir raus in die Welt und verkauften sie. Geschäft und Spiel, Spiel und Geschäft: eine glückliche Verbindung. Das ist Michael, immer spielerisch, immer Inbegriff des Witzes. Wo in der immer beschränkter werdenden Welt kommerzieller Verlagshäuser sollen wir jemals wieder seinesgleichen finden?

Aus dem Englischen von Christiane Behrend