Für Elisabeth Timm macht es einen finanziellen Unterschied, ob sie über Parkett oder Laminat läuft. Ob die Decke eines Raumes stuckverziert ist oder nicht. Und ob der Balkon nach Süden zeigt oder auf der Nordseite liegt. Parkettböden, Stuck und Südbalkon bedeuten eine höhere Miete, eine höhere Miete bedeutet für Timm mehr Honorar. Zwei Nettokaltmieten plus Mehrwertsteuer, das ist ihr Verdienst, wenn sie eine Immobilie vermittelt hat. Elisabeth Timm ist Maklerin, seit mehr als zehn Jahren schon.

Ein Montag im November, der Himmel grau, Timm sitzt zu Hause am Küchentisch, vor ihr ein Glas Kaffee, schwarz, sie trinkt ihn immer so. Timm ist Anfang 40, eine Frau mit warmen Augen und wohlgeformten Zähnen, wenn sie lächelt, sieht man ihr gern dabei zu. Jetzt, beim Thema Maklergesetz, lächelt sie nicht mehr. Weil sie Angst hat.

Timm arbeitet in Hamburg. Dort – wie in anderen Großstädten, in denen die Wohnungslage angespannt ist – zahlt bislang der Mieter die Courtage. In Regionen mit einem Überangebot zahlt meist der Vermieter. In ihren Koalitionsverhandlungen haben sich Union und SPD darauf geeinigt, das sogenannte Bestellerprinzip für Maklerverträge festzuschreiben. In Zukunft soll der Makler von dem bezahlt werden, der ihn beauftragt hat. Egal, ob der Wohnungsmarkt angespannt ist oder nicht. Der Immobilienverband Deutschland lehnt das ab, es sei eine "Einschränkung der Vertragsfreiheit", zu der kein Anlass bestehe.

"Die meisten unterschätzen, wie viel Arbeit das wirklich ist"

"Für mich könnte es dann eng werden", vermutet Elisabeth Timm, die in Wirklichkeit anders heißt und ihren Namen nicht gedruckt sehen will. In Deutschland werden bislang zwischen 35 und 45 Prozent der Mietwohnungen über einen Makler vermittelt, sollte das Gesetz kommen, werden wahrscheinlich viele Vermieter auf diesen Dienst verzichten. "Ich glaube auch nicht, dass so ein Gesetz jedem Verbraucher nutzen würde", sagt Timm. Bei günstigen Wohnungen vielleicht, "aber bei mittleren und hochpreisigen Objekten sehe ich keine Entlastung". Die Wahrscheinlichkeit, dass die Mieten steigen, sei groß, weil die Maklergebühr einfach in die Miete eingerechnet werden könne. Wahrscheinlich ist aber auch, dass Timm ihre Vermittlungsgebühren wird senken müssen, also nicht mehr bis zu 2,38 Nettokaltmieten pro Abschluss bekommt.

Timm ist seit drei Stunden wach, morgens im Bett hat sie auf ihrem iPad bereits E-Mails gecheckt, "eine Katastrophe war nicht dabei", sagt sie und lacht. Eine Katastrophe ist, wenn ein Mietvertrag geplatzt ist. Timm ist selbstständig und arbeitet von zu Hause aus. Wenn sie sich an den Schreibtisch setzt, blickt sie in den Garten, zur Espressomaschine in der Küche sind es nur wenige Schritte.

Timms wichtigste Arbeitsgeräte sind ihr silbernes MacBook und eines ihrer beiden Smartphones. Regelmäßig klingelt das Maklerhandy. Ihre Stimme wird dann höher und bekommt einen gewissen Verkäufersingsang: "Würde es Ihnen am Sonntag passen? ... Hmmm, aber dann ist es schon dunkel. Wie sieht es morgens vor dem Job aus? ... Nein, das ist ein richtiger Balkon, Südlage. Und die Küche ist groß, komplett möbliert, eine richtig schöne Wohnküche ... Ja, melden Sie sich einfach noch mal. Tschüss, tschüss."

Trotz Südbalkon, Einbauküche und "Pitchpine-Dielen", wie es in der Anzeige heißt, wird sie die Wohnung nicht los. Weil es sein kann, dass die Sozialbehörde in der Gegend Flüchtlinge unterbringen wird, das stand kürzlich in der Zeitung. "Wenn das wirklich passiert, habe ich hier eine Leiche", sagt Timm. Das Angebot hat sie länger als sonst im Internet inseriert, immer wieder hat sie es aktualisiert, damit es nach oben rutscht. Normalerweise nimmt sie eine Anzeige nach zwei Tagen raus, dann liegen in ihrem E-Mail-Postfach 50 Anfragen. "Am ersten Tag kommen die E-Mails im Minutentakt", ihr Zeigefinger mit dem rot manikürten Nagel wandert dabei über das Postfach: 11.18 Uhr, 11.30 Uhr, 11.42 Uhr ... Eine Wohnung in Hamburg suchen viele.

Timm hat Vermessungstechnik gelernt, schon immer arbeitet sie im Immobilienbereich. Weil sich aber auch Leute Makler nennen dürfen, die keine Ahnung haben und schnelles Geld verdienen wollen, ist der Ruf der Branche eher schlecht. Makler, das sind die, die mit blumigen Worten Sonne in Wohnzimmer mit Nordlage zaubern oder aus Abstellkammern Wohlfühloasen machen.

"Makler sind Arschlöcher, mit diesem Vorurteil gehst du ins Rennen", sagt Timm. "Teilweise stimmt das ja auch, aber es gibt auch diejenigen, die ihren Job gut machen." Um zu verhindern, dass jeder als Makler arbeiten kann, müsse man unbedingt die Berufsregeln ändern, meint Timm. "Damit die Courtage gerechtfertigt ist."