Frankreich wolle sich in Afrika nicht mehr einmischen. Das hat Staatspräsident François Hollande kurz nach seinem Machtantritt verkündet. Doch diese Politik der Nichteinmischung gelingt nicht. Im Januar intervenierte die französische Armee in Mali, und nun hat die Regierung in Paris beschlossen, tausend Soldaten nach Bangui zu entsenden, in die Hauptstadt der Zentralafrikanischen Republik (ZAR). Wieso? Warum schickt Frankreich schon wieder Truppen nach Afrika, wenn es doch offizielle Politik ist, das nicht mehr zu tun?

In Mali intervenierte Frankreich mit ausdrücklicher Zustimmung der internationalen Gemeinschaft. Dort hatten Islamisten den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht. Man fürchtete, Mali könnte ohne schnelles Eingreifen zu einem Hort Al-Kaidas und anderer Terroristen werden. Die französischen Soldaten vertrieben die Islamisten, Mali stabilisierte sich. Die internationale Gemeinschaft lobte Hollande für sein entschlossenes Handeln. Und doch: Hollande blieb dabei, Mali solle die Ausnahme bleiben.

Darum hat er sehr lange gezögert, in der ZAR zu intervenieren. Noch im März 2013 ignorierte er die Hilferufe des von Rebellen bedrängten Präsidenten der ZAR, François Bozizé. Er schickte keine Truppen, französische Soldaten beschränkten sich auf den Schutz ihrer Bürger und die Sicherung des internationalen Flughafens in Bangui. Bozizé musste aus dem Land fliehen.

Kaum jemand weinte ihm eine Träne nach. Der Mann war korrupt und in weiten Teilen der Bevölkerung verhasst. Die Rebellen, die ihn aus dem Amt gejagt hatten, versprachen ihren Landsleuten eine bessere Zukunft. Doch es kam anders. Im September löste der neue Präsident, Michel Djotodia, die muslimisch dominierte Rebellenfront Seleka offiziell auf. Die "arbeitslosen" Kämpfer begannen, sich ihren Unterhalt auf andere Weise zu verdienen: Sie plünderten, raubten und mordeten, vornehmlich unter Christen, die die Mehrheit im Lande stellen. Die Christen bildeten daraufhin eigene Milizen und setzten sich zur Wehr. Inzwischen haben beide Seiten Gräueltaten verübt, mit dramatischen Folgen: 460.000 der insgesamt fünf Millionen Einwohner der ZAR sollen auf der Flucht sein. Der Konflikt bekommt zunehmend einen religiösen Charakter und droht vollends außer Kontrolle zu geraten, der Zerfall des fragilen Staates schreitet voran.

Die Vereinten Nationen kündigen schon seit Monaten an die Entsendung einer Eingreiftruppen. Doch bis die gebildet ist und in Marsch gesetzt ist, wird es dauern. So viel Zeit aber gibt es angesichts der dramatischen Lage in der ZAR nicht. Darum steht Frankreich seit einiger Zeit wieder vor der Frage: Intervenieren oder nicht? Und die Entscheidung ist nun gefallen.

Militärisch ist Frankreich in der Lage, jeden Gegner in der ZAR zu schlagen. Doch so erfolgreich wie in Mali dürfte die Intervention dort kaum werden – zu unübersichtlich ist der Konflikt. Selbst die Entsendung von tausend französischen Soldaten hat etwas Zögerliches an sich. Frankreich will nicht so recht kämpfen. Aber zuschauen kann es eben auch nicht länger.