Vor uns zwei Wagen, hinter uns einer. Erst nach einer Viertelstunde fällt mir auf, dass etwas fehlt – die anderen. Und mit ihnen das Gefühl, dass einem ständig ein Verfolgerfeld im Nacken sitzt. Während auf deutschen Autobahnen immer jemand mit Lichtgeschwindigkeit angeschossen kommt, schweben wir entspannt und nahezu geräuschlos über die Autostrada A 2. Um Leserbriefen zuvorzukommen und damit auch die Ökobilanz dieses Textes zu verbessern, hier beide Namen: Wir sind unterwegs nach Posen/Poznań.

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Früher bedeutete diese Strecke eine zähe Tagesreise über buckelige Landstraßen, das Tempo bestimmten rußende Sattelzüge. Heute erinnert nur noch die Lkw-Schlange vor der Grenze daran. Seit 2012 das letzte Teilstück eröffnet wurde, gibt es eine durchgehende Autobahnverbindung von Berlin bis Warschau. Schnurgerade teilt sie die Landschaft. Kiefernwälder stehen aufgereiht wie Zahnstocher. Auf dem Rasen des Seitenstreifens, gesäumt von einem durchgehenden Zaun gegen Wildwechsel, könnte man Golf spielen. Am Fahrbahnrand sitzen Greifvögel und beobachten den Verkehr, abwartend, ob auf dem irreal sauberen Asphalt nicht doch ein Hase unter die Räder kommt. Ein Bild wie aus dem Playmobil-Katalog. Der Opel Mokka ist das perfekte Auto dafür.

Wenn kleine Jungs Fantasieautos bauen, kommen dabei oft Bagger mit Düsenantrieb und Dinosaurierflügeln heraus. Ungefähr so hat Opel diesen Kompaktwagen zu einem "modernen Lifestyle-Fahrzeug" aufgerüstet. Ein Alltagsheld mit Allradantrieb, ein bisschen Gute-Laune-Flitzer, ein bisschen Jeep, und hinten passt notfalls eine Waschmaschine rein. Bequeme Sitze, munteres Fahrwerk, übersichtlich, unaufdringlich. Die angegebene Höchstgeschwindigkeit erreicht er unter Schmerzen. Doch die hier erlaubten 140 Stundenkilometer genügen vollauf, mögen die Fahrer der gelegentlich vorbeizischenden ukrainischen und weißrussischen Cayennes ruhig anderer Meinung sein. Ja, Tempolimit und Maut gibt es auch auf dieser Märchenstrecke. Bezahlen kann man leider nicht mit Playmobiltalern. Aber für die 33 Złoty, etwa acht Euro, bekommt man einen fairen Gegenwert. Kein Vergleich zu den überteuerten und komplizierten deutsch-polnischen Verbindungen der Bahn. Die 270 Kilometer sind in drei Stunden locker weggerollt. Ganz einfach/ Po prostu.

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 104 kW (140 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 9,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 193 km/h
CO2-Emission: 139 g/km
Durchschnittsverbrauch: 5,9 Liter
Basispreis: 24.185 Euro

Ralph Geisenhanslüke ist ZEIT-Autor