Gegen diesen Hasen hat der mächtigste Mann Chinas keine Chance: Präsident Xi Jinping, eigentlich Dauergast auf den Titelseiten der chinesischen Staatszeitungen, musste vergangene Woche "Yutu" den Vortritt lassen, dem Jadehasen. Das 140 Kilogramm schwere Ungetüm, Chinas erster Mondrover, hatte sich gerade auf den Weg zum Erdtrabanten gemacht – und löste Begeisterungsstürme in den Medien, aber auch in den Sozialen Netzwerken aus.

Xi Jinping wird nicht sonderlich traurig gewesen sein, steht der Hase in China doch für Modernität, Selbstbewusstsein und Weltoffenheit. "Der Traum vom Weltraum, eine Quelle des Nationalstolzes und der Inspiration für die weitere Entwicklung, ist Teil des Traumes von einem stärkeren China", verkündete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Bei Sina Weibo, Chinas Pendant zu Twitter, avancierte Chang’e 3, so der Name der Mondmission, zu einem der meistgesuchten Begriffe. Von "Stolz" ist bei den Weibo-Einträgen die Rede, von "Erstaunen" und von den "fantastischen Möglichkeiten", die Chang’e 3 biete. Offen kritische Stimmen finden sich kaum – was aber nichts heißen muss. Um der Zensur zu entgehen, flüchten sich Weibo-Nutzer oftmals in Sarkasmus und in Anspielungen, die für Außenstehende schwer zu erkennen sind. Oder ihre Beiträge werden einfach gelöscht.

Die meisten parteinahen Medien mieden martialische Jubeltöne. Xinhua betonte, dass sich Chinas Raumfahrt in keinem Wettbewerb befinde, dass sie nur friedliche Ziele habe und offen sei für die Kooperation mit anderen Ländern. Als Beispiel dafür musste ausgerechnet Hollywood herhalten: Im aktuellen Science-Fiction-Film Gravity, dem derzeit mit Abstand beliebtesten Streifen in den Kinos der Volksrepublik, kann einzig und allein ein chinesisches Raumschiff die Protagonistin retten. Dies sei ein Beleg für die "zunehmend populäre Sichtweise, dass chinesische Technologie ein Nutzen für alle und keine Bedrohung ist".

Beim Versuch, Begeisterung fürs eigene Raumfahrtprogramm zu schüren, griff die Regierung zu unkonventionellen Methoden: In einem Land, in dem das Volk seine Führung nicht frei wählen darf und in dem selbst Zuschauerabstimmungen bei TV-Castingshows wieder gestrichen wurden, um bei niemand allzu demokratische Ideen zu wecken, durften die Menschen ausgerechnet den Namen des Mondrovers mitbestimmen. Mehr als 193.000 Namensvorschläge gingen übers Internet ein, bei der abschließenden Abstimmung beteiligten sich 3,5 Millionen Menschen. Das finale Votum für den Jadehasen fällte dann aber doch eine Jury. Sicher ist sicher.