Eine Feier ist nicht geplant. Vor zehn Jahren hat der Bundestag die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte beschlossen. Jetzt, endlose Debatten und Hunderte Millionen Euro später, hat praktisch jeder Kassenpatient die neue Karte mit Chip und Foto – wer nicht, muss von Januar an beim Arztbesuch mit Scherereien rechnen. Doch mehr wird nicht passieren.

Dabei sollte die Gesundheitskarte einmal der Generalschlüssel zu einer wunderbaren Welt effektiver und sinnvoll vernetzter medizinischer Betreuung werden. Der Notarzt hätte sofort Blutgruppe und Allergien parat, die parallele Verschreibung unverträglicher Medikamente würde blockiert, umständliche Abrechnungen, unauffindbare Diagnosen – alles Vergangenheit. Und der Arzt hätte Zeit für den Patienten.

In langen Debatten wurde die Reform zerrieben. Zunächst enthält die neue Karte exakt die gleichen Daten wie die alte: Name, Adresse, Versichertennummer. Nur das Foto ist neu. Doch das nützt weder Arzt noch Patient.

Aber selbst wenn irgendwann tatsächlich die elektronische Patientenakte möglich wird: Auch davor muss niemand Angst haben. Die Teilnahme wird freiwillig sein – eine gute Entscheidung der Politik. Gesunde dürften sich wohl eher gegen die Speicherung entscheiden, ernsthaft Kranke dafür. Denn bei denen überwiegt der medizinische Nutzen der Daten die Gefahr durch ihren Missbrauch.