Al-Ahly ist ein Erfolgsgarant, das hat der Verein mit den Bayern gemein. 2000 erhielt er den Titel "Afrikas Klub des Jahrhunderts". Die acht Champions-League-Siege bedeuten Rekord, insgesamt gewann Al-Ahly 95 Titel in fast 110 Jahren Klubgeschichte. Doch dieses eine Spiel gegen den FC Bayern überträfe fast alles. In den Cafés von Kairo schwärmen die Älteren heute noch von den Zeiten, als europäische Topmannschaften in die Stadt kamen, um sich mit Al-Ahly und dem großen Konkurrenten Zamalek SC zu messen. Mönchengladbach sei einmal da gewesen, mit Netzer und Vogts. Und die Jüngeren erinnern sich an das Spiel 2001 gegen Real Madrid, also gegen Figo, Zidane und Raúl. Am Ende gewann Al-Ahly 1:0. Und gegen Bayern spielte man 2012 in einem Freundschaftsspiel in Katar, das die Deutschen knapp 2:1 gewannen.

"Gegen Bayern zu spielen wäre ein besonderes Erlebnis, für die Spieler und den Klub. So einem großen Team zu begegnen, das gibt es nur wenige Male in einer Karriere", meint Kapitän Wael Gomaa. Der 38 Jahre alte Innenverteidiger, ein kahlköpfiger Brecher, wurde von Al-Ahly Verantwortlichen ausgesucht, um der internationalen Presse Interviews zu geben. Er ist ein loyaler Kämpfer, seit zwölf Jahren im Verein. Aboutreika dagegen steht für Gespräche nicht zur Verfügung. Der Klub will es nicht. Aus politischen Gründen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Denn Politik und Fußball sind seit der Katastrophe von Port Said nur noch schwer voneinander zu trennen.

Darauf jedoch basiere Al-Ahlys Erfolg, erklärt Abdelrahman Magdi: "Sie versuchen möglichst neutral zu sein. Es heißt: Misch dich nicht ein, weder auf dem Feld noch außerhalb." Deshalb wurde der Finaltorschütze gegen die Orlando Pirates, Ahmed Abdel Zaher, suspendiert. Er hatte sein Tor mit dem Zeichen der "Rabaa"-Bewegung der Muslimbruderschaft bejubelt. Und deshalb darf Aboutreika, der ebenso den Muslimbrüdern nahesteht, keine Interviews geben. Erst kürzlich verärgerte er die Militärregierung, als er sich weigerte, aus ihren Händen die Champions-League-Medaille entgegenzunehmen.

Rechtsverteidiger Ahmed Fathi bekäme es mit Franck Ribéry zu tun

Al-Ahly ist ein streng geführter Verein. "Der Klub ist eine Gemeinschaft. Es geht immer um Al-Ahly. Das ist das Wichtigste. Das haben wir hier gelernt und das geben wir an die nächste Generation weiter", erklärt Fußballdirektor Abdel Hafis, der wie auch Vereinspräsident Hassan Hamdi selbst als Spieler das rote Trikot getragen hatte. Die Parallelen zu Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß sind nicht zu übersehen. "Wir haben starke Verbindungen zu den Bayern", sagt denn auch der Präsident. "Sie sind einer der besten Klubs in der Geschichte des Weltfußballs. Vor einigen Jahren haben wir sie in München besucht, haben uns die Organisation des Vereins angeschaut, Training, Marketing, Pressearbeit. Wir haben einiges davon später bei uns eingeführt." Sogar eine gemeinsame Jugendakademie sei in Planung gewesen – dann stoppten die politischen Probleme in Ägypten das Vorhaben.

Nun könnte es zum Wiedersehen in Marokko kommen. Und auf die Bayern wartet eine Mannschaft mit einem Stamm von erfahrenen Spielern. Zum Beispiel Kapitän Wael Gomaa oder Rechtsverteidiger Ahmed Fathi, der schon in der englischen Premier League gespielt hat, jetzt bekäme er es mit Franck Ribéry zu tun. Und es sind Talente dabei, der defensive Mittelfeldspieler Rami Rabia etwa, gerade 20 Jahre alt, groß, technisch versiert und mit einer beeindruckenden Spielübersicht. Rabia steht auf den Wunschzetteln europäischer Spitzenklubs.

Ob er aber so bald wechseln darf, ist fraglich. "Al-Ahly lässt sie nicht gehen, um ihnen eine große Chance zu ermöglichen. Al-Ahly kommt immer zuerst. Der Erfolg gibt ihnen zwar recht, aber sie bringen die Spieler um ihre Karriere. Wenn du ihnen als 18-Jährige Fünf-Jahres-Verträge gibst, sind sie später zu alt für den Sprung nach Europa", kritisiert Abdelrahman Magdi. Fußballdirektor Abdel Hafis widerspricht: "Wir haben kein Problem, im Gegenteil, wir unterstützen sie", sagt er, "aber es müssen Angebote kommen, die Spieler und Verein zufriedenstellen."

Und dann gibt es ja noch Aboutreika. Der Spielmacher ist immer noch fit und torgefährlich. Er führte die ägyptische Nationalmannschaft zu drei Afrika-Cup-Triumphen, Al-Ahly unter anderem zum dritten Platz bei der Klub-WM 2006. "Aboutreikas Abschied wird Al-Ahly hart treffen, ja sogar ganz Ägypten", sagt Wael Gomaa. "Ich hoffe, wir können ihn noch überzeugen, weiterzumachen". Wenn nicht, dann könnte das Match gegen die Bayern das Abschiedsspiel für Aboutreika werden. Und das Motorrad könnte er dann bald wieder gegen ein Auto tauschen.